English Woman's Journal - Eigenanteile für Menschen in Pflegeeinrichtungen erneut deutlich gestiegen

Eigenanteile für Menschen in Pflegeeinrichtungen erneut deutlich gestiegen


Eigenanteile für Menschen in Pflegeeinrichtungen erneut deutlich gestiegen
Eigenanteile für Menschen in Pflegeeinrichtungen erneut deutlich gestiegen / Foto: THOMAS KIENZLE - AFP/Archiv

Die Eigenanteile für Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen sind erneut deutlich gestiegen. Laut einer Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) stiegen die Kosten für Pflegebedürftige, die bis zu zwölf Monaten im Pflegeheim versorgt wurden, im 2022 auf durchschnittlich 2411 Euro im Monat. Dies seien 278 Euro mehr als im Vorjahr.

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Dabei sind demnach Entlastungen für die Pflegebedürftigen durch einen Leistungszuschlag der Pflegekassen bereits eingerechnet. Bei Pflege von einem bis zu zwei Jahren stiegen die Zuzahlungen demnach im Durchschnitt um 232 Euro auf durchschnittlich 2183 Euro monatlich, bei Pflegezeiten von bis zu drei Jahren um 186 Euro auf 1955 Euro und von mehr als drei Jahren um 130 Euro auf 1671 Euro.

Allein um rund 25 Prozent stiegen demnach die pflegerischen Kosten, unter anderem aufgrund höherer Löhne für die Pflegekräfte. Aber auch für Unterkunft und Verpflegung mussten Betroffene demnach rund sieben Prozent mehr als im Vorjahr zahlen, vor allem wegen der deutlich höheren Lebensmittelpreise.

"Erneut steigt die Belastung von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen, die oft nicht wissen, wie sie die Kosten stemmen sollen", erklärte dazu vdek-Vorstandschefin Ulrike Elsner. Weiter steigende Vergütungen und strengere Regeln für den Personaleinsatz dürften das Problem im laufenden Jahr noch verschärfen.

Als Ausweg fordern die Ersatzkassen eine "Pflegereform aus einem Guss" als "prioritäre Aufgabe" für die Regierenden im laufenden Jahr. Bis zum 1. Juli müsse ohnehin das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Berücksichtigung der Kinderanzahl bei den Pflege-Beitragssätzen umgesetzt werden.

In dem Zuge solle die Regierung "auch ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung mit fest verankerten und dynamisierten Steuerzuschüssen vorlegen", verlangte Elsner. Die Länder müssten bereit sein, Investitionskosten zu übernehmen und die private Pflegepflichtversicherung müsse "endlich an einem solidarischen Finanzausgleich der SPV beteiligt werden".

Der allergrößte Teil der 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner könne den Eigenanteil im Pflegeheim nicht aus ihren Altersbezügen zahlen, erklärte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. "Pflegeheimbewohner werden somit finanziell massiv unter Wasser gedrückt", kritisierte er.

Brysch wies darauf hin, dass sich der Eigenanteil von Pflegebedürftigen in den vergangenen fünf Jahren um rund 40 Prozent erhöht habe. Als Ausweg verlangte er eine Umstellung auf feste Zuzahlungen für die Betroffenen. Den Rest müsse dann die Pflegeversicherung übernehmen.

Der Sozialverband VdK mahnte darüber hinaus, auch die häusliche Pflege nicht zu vergessen. "Die Debatte um die gestiegenen Pflegekosten geht an der größten Gruppe der Pflegebedürftigen knallhart vorbei, nämlich an den zu Hause Gepflegten", erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele. "Dort haben sich die Kosten aufgrund der Anhebung der Pflegelöhne ebenso drastisch erhöht", die Politik versuche aber, das Problem auszusitzen.

Der VdK wies darauf hin, dass 84 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause versorgt würden. Mehr als eine Million Menschen nähmen dafür Dienstleistungen ambulanter Pflegedienste in Anspruch, deren Kosten aber ebenfalls oft um 25 Prozent gestiegen seien.

M.Stevenson--EWJ

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