English Woman's Journal - Tausende marschieren im Gedenken an ultrarechten Aktivisten durch Lyon

Tausende marschieren im Gedenken an ultrarechten Aktivisten durch Lyon


Tausende marschieren im Gedenken an ultrarechten Aktivisten durch Lyon
Tausende marschieren im Gedenken an ultrarechten Aktivisten durch Lyon / Foto: OLIVIER CHASSIGNOLE - AFP

Tausende Menschen sind in Lyon im Gedenken an den bei einer Schlägerei mit Linksextremen getöteten ultrarechten Aktivisten Quentin Deranque durch die Stadt marschiert. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot zogen am Samstag nach Behördenangaben rund 3200 Menschen durch die Großstadt im Südosten Frankreichs. Viele Demonstranten hatten ihre Gesichter vermummt, nach Behördenangaben zeigten mindestens zwei Teilnehmer den Hitlergruß.

Textgröße ändern:

Mehrere rechtsextreme und erzkatholische Gruppen hatten zu dem Gedenkmarsch für Deranque aufgerufen. Die Demonstranten trugen Schilder mit Deranques Porträt, riefen "Gerechtigkeit für Quentin" und bezeichneten die linke Antifa als "Mörder". "Wir sind hier um Quentin zu würdigen, einen nationalistischen Aktivisten, der vom Antifa-Gesindel ermordet wurde", sagte ein 24-jähriger Anhänger der Identitären Bewegung am Rande des Gedenkmarschs der Nachrichtenagentur AFP.

Der 23-jährige Deranque war vor einer Woche gestorben, nachdem er bei Auseinandersetzungen zwischen Rechts- und Linksextremen in Lyon schwer am Kopf verletzt worden war. Die Justiz ermittelt gegen sechs Verdächtige wegen Totschlags. Gegen einen parlamentarischen Mitarbeiter des linkspopulistischen Abgeordneten Raphaël Arnault von La France Insoumise wird wegen Beihilfe ermittelt. Der Fall sorgt kurz vor den Kommunalwahlen im März für Unruhe in allen politischen Lagern.

Auch Gegendemonstranten gingen in Lyon auf die Straße, gewaltsame Zusammenstöße blieben aber aus. Eine Anwohnerin äußerte sich sehr besorgt über den Aufmarsch der Rechten. "Zu wissen, dass in Lyon faschistische Gruppen demonstrieren, macht mir Angst", sagte sie. Es beruhige sie aber, dass es nicht viele Teilnehmer gegeben habe.

Nach Angaben der Präfektur gab es lediglich eine Festnahme wegen unerlaubten Mitführens von Waffen - eines Messers und eines Hammers. Mindestens zwei Demonstrationsteilnehmer zeigten den Angaben zufolge den Hitlergruß, auch habe es rassistische und homophobe Beleidigungen gegeben. Die Präfektur kündigte juristische Schritte an.

Zu dem Marsch waren laut Innenministerium Teilnehmer aus ganz Frankreich und anderen europäischen Ländern erwartet worden. Die Behörden hatten gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der extremen Rechten und Linken befürchtet. Die Familie des Getöteten nahm an der Demonstration nicht teil und rief dazu auf, auf politische Kundgebungen zu verzichten. Lyons Bürgermeister Grégory Doucet von den Grünen hatte sich vergeblich für ein Verbot des Marsches eingesetzt.

Innenminister Laurent Nuñez und die Präfektur des Départements Rhône erklärten aber, sie hätten das Risiko von Gewalttaten und "Störungen der öffentlichen Ordnung" gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung abgewogen und daraufhin grünes Licht erteilt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte vor der Kundgebung alle Seiten zur "Ruhe" aufgerufen und betont, es gebe "keinen Platz für Milizen", egal von welcher Seite des politischen Spektrums. Der Präsident kündigte für Dienstag eine Kabinettssitzung an, bei der über gewalttätige Gruppen mit Verbindungen zu politischen Parteien diskutiert werden soll.

Der Fall hatte auch zu Verstimmungen zwischen Macron und der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni geführt. Meloni hatte erklärt, der Tod des 23-Jährigen sei "eine Wunde für Europa". Macron warf ihr daraufhin indirekt unerwünschte Einmischung vor. Auch die Regierung von US-Präsident Donald Trump äußerte sich zu dem Fall und forderte, die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

L.Paterson--EWJ

Empfohlen

Landgericht Kleve: Falscher Notfallsanitäter zu zehn Jahren Haft verurteilt

Das Landgericht Kleve in Nordrhein-Westfalen hat einen falschen Notfallsanitäter zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Das Gericht sprach den 30-Jährigen wegen Totschlags, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Urkundenfälschung in zwei Fällen schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Donnerstagabend mitteilte. Anhand falscher Papiere war der Mann laut Anklage als Notfallsanitäter eingestellt worden. Er war zweimal im Einsatz. In einem Fall starb ein Patient.

Tödlicher Bergunfall in Bayern: 76-jähriger Urlauber stürzt in den Tod

Bei einem Bergunfall bei Mittenwald in Bayern ist ein 76-jähriger Urlauber ums Leben gekommen. Der aus Berlin stammende Wanderer befand sich am Donnerstag mit seiner Ehefrau im Karwendelgebirge beim Abstieg, als er in einer anspruchsvollen Passage die Kontrolle verlor, wie die Polizei in Rosenheim am Freitag berichtete.

Brände in Frankreich: Halbinsel Cap Ferret wird evakuiert - Paris bittet EU um Hilfe

Die Waldbrand-Situation in Frankreich wird immer dramatischer: An der Atlantikküste, wo sich derzeit sehr viele Touristen aufhalten, loderten in der Nacht zum Freitag zwei heftige Flächenbrände weiter, die noch nicht unter Kontrolle gebracht werden konnten. Zehntausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

Auto kollidiert an Bahnübergang in Sachsen-Anhalt mit Zug: 76-Jähriger stirbt

Beim Zusammenstoß eines Autos und eines Zugs an einem Bahnübergang in Sachsen-Anhalt ist der 76-jährige Fahrer ums Leben gekommen. Der Mann befuhr am Donnerstagabend mit seinem Wagen im Landkreis Börde einen zu diesem Zeitpunkt geschlossenen Bahnübergang, wie die Polizei in Magdeburg am Freitagmorgen mitteilte. Dort erfasst, trotz eingeleiteter Bremsung, ein Zug das Fahrzeug.

Textgröße ändern: