English Woman's Journal - Berlin: Zwölf Jahre Haft für europaweit gesuchtes Mafia-Mitglied aus Serbien

Berlin: Zwölf Jahre Haft für europaweit gesuchtes Mafia-Mitglied aus Serbien


Berlin: Zwölf Jahre Haft für europaweit gesuchtes Mafia-Mitglied aus Serbien
Berlin: Zwölf Jahre Haft für europaweit gesuchtes Mafia-Mitglied aus Serbien / Foto: LOIC VENANCE - AFP/Archiv

Wegen versuchten Mordes ist ein europaweit gesuchtes Führungsmitglied eines mutmaßlichen Balkan-Mafiaclans in Berlin zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 35-jährige Serbe für einen Mordversuch in Berlin-Charlottenburg im Jahr 2020 verantwortlich ist, wie der Vorsitzende Richter Matthias Schertz in seiner Urteilsbegründung am Freitag sagte.

Textgröße ändern:

Es gebe Anhaltspunkte, dass der Angeklagte eine führende Rolle in der serbischen Vracar-Gruppierung eingenommen habe, sagte Schertz. Laut Staatsanwaltschaft sollte die Vracar-Gruppe den Mord im Auftrag des sogenannten Kavac-Clans aus Montenegro verüben, das Opfer soll ein Führungsmitglied der gegnerischen Skaljari-Gruppe gewesen sein. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppierungen sollen wechselseitig zu mehr als 80 Morden und Mordversuchen geführt haben.

Laut Anklage lauerte ein vom Angeklagten beauftragter Mann dem Opfer am 17. Februar 2020 an dessen Wohnhaus in Berlin-Charlottenburg auf. Als der Mann den Hinterhof betrat, gab der Auftragsmörder Schüsse ab, verfehlte ihn aber. Das Opfer konnte sich in den Hausflur retten und kam unversehrt davon. Zwei Wochen später starb es allerdings durch eine Autobombe in Montenegro - was nicht Gegenstand des Berliner Verfahrens war.

Der Angeklagte habe den Mord kaltblütig in Auftrag gegeben, sagte Richter Schertz. Er habe ganz erhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt, etwa indem er den Auftrag gegeben habe, auch mögliche Zeugen gleich mit zu "eliminieren". Er habe die Tat minutiös vorbereitet, von der Anreise der Täter über die Beschaffung der Wohnung sowie der Waffe. Noch kurz vor der Tat habe er letzte Anweisungen per Chatnachrichten gegeben.

Der 35-Jährige war im Oktober 2024 im spanischen Barcelona festgenommen worden. Er wurde im Frühjahr 2025 nach Deutschland ausgeliefert und kam in Berlin in Untersuchungshaft. Der Mann war auch von Österreich, Kroatien, Montenegro und Serbien zur Fahndung ausgeschrieben. Laut deutscher Anklagebehörde werden ihm die Beteiligung an acht Morden, schwerer Raub, Waffengesetzesverstöße sowie die Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft forderte in dem Prozess in Berlin eine Haftstrafe von zwölfeinhalb Jahren für den Mann. Die Verteidigung plädierte hingegen auf Freispruch. Aus ihrer Sicht hätten die Chats nach deutschem Recht gar nicht ausgewertet werden dürfen. Außerdem sei nicht sicher, ob sie vollständig vorlagen oder gar manipuliert wurden. Es sei denkbar, dass die deutschen Behörden hier missbraucht wurden, um einen Konflikt zu klären und eine "Schachfigur vom Feld zu ziehen", befand die Verteidigung.

Angesichts der mehrere Aktenordner füllenden Chatnachrichten sei dies aus Sicht der Kammer abwegig, sagte Schertz in seiner Begründung. Es sei schwer vorstellbar, dass ein angeblicher Manipulator derart viele Nachrichten erstellt habe - inklusive Gruppenchats. Die Nachrichten, die über verschlüsselte Handys ausgetauscht wurden, seien eindeutig dem Angeklagten zuzuordnen - ebenso wie zahlreiche Bilder, die dort von ihm zu sehen seien, sagte Schertz.

Der Angeklagte schwieg in dem Prozess. Auch die Gelegenheit, sich in einem letzten Wort zu äußern, ließ er verstreichen. Wie bei Prozessen mit Bezug zu organisierter Kriminalität üblich, galten für die Verhandlung hohe Sicherheitsstandards.

L.McKay--EWJ

Empfohlen

Dieselgate: Renault muss sich in Frankreich wegen Betrugs vor Gericht verantworten

Im Zusammenhang mit dem Dieselskandal muss sich der französische Autohersteller Renault in Frankreich wegen mutmaßlichen Betrugs vor Gericht verantworten. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Vorrichtungen in seinen Dieselfahrzeugen eingebaut zu haben, die zur Umgehung von Abgasvorschriften dienten, wie die Staatsanwaltschaft am Montag der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Die erste Anhörung in dem Fall ist für April 2027 angesetzt. Renault weist die Vorwürfe zurück.

Datenschutzbeauftragte: Durch Geheimdienstreform drohen Grundrechtseinschränkungen

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Louisa Specht-Riemenschneider, sieht durch die von der Regierung geplante Geheimdienstreform massive Risiken für Bürgerrechte. "Aus meiner Sicht gibt es inakzeptable Einschränkungen der Grundrechte", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe). Nachrichtendienste sollten "nicht handeln und eingreifen dürfen wie eine Polizei", gab sie zu bedenken.

Magyar-Partei wählt erstmals Verfassungsrichter - Amnesty: Verfahren "wie unter Orban"

Erstmals seit der Amtsübernahme von Peter Magyar als Ministerpräsident hat das ungarische Parlament einen neuen Verfassungsrichter gewählt. Der Universitätsprofessor Pal Sonnevend erhielt am Montag 138 Ja-Stimmen in dem 199 Abgeordnete umfassenden Parlament, sechs Parlamentarier stimmten gegen ihn. Die früheren Regierungsparteien Fidesz und KDNP boykottierten die Abstimmung. Sonnevend löst Csaba Hende ab, der als Vertrauter des früheren Regierungschefs Viktor Orban galt.

Trompete von US-Armee bei Trauerfeier auf hessischem Friedhof gestohlen

Unbekannte haben auf einem Friedhof im hessischen Hanau eine Trompete der US-Armee gestohlen. Das Instrument sollte am Freitagvormittag bei einer Bestattung eines ehemaligen US-Soldaten gespielt werden, wie die Polizei am Montag in Offenbach mitteilte.

Textgröße ändern: