Wal-Drama in der Ostsee zieht sich hin: Tier liegt weiterhin fest
Das Drama um den vor der Ostseeinsel Poel liegenden Buckelwal zieht sich hin. Am Dienstagmorgen lag der Wal weiterhin an der Stelle, wo er sich am Vortag nach einem Freischwimmversuch erneut festgeschwommen hat. Wie in Bildern von Liveübertragungen zu sehen war, atmete er noch und bewegte sich ab und an. Wegen des gesunkenen Wasserstands lag sein Körper aber zu erheblichen Teilen oberhalb der Wasseroberfläche.
Wie es mit den Rettungsversuchen weiter gehen wird, war noch unklar. Am Montag hatte das notleidende Tier nach drei Wochen weitestgehender Regungslosigkeit überraschend seine bisherige Position in einer seichten Bucht vor der Insel Poel verlassen, lag allerdings wenig später erneut auf einer Sandbank in flachem Wasser fest. Am Montagmorgen war unter anderem ein Helfer zu sehen, der den Wal per Hand und mit einem Paddel mit Wasser benetzte.
Der Wal kam mit seinem durch einen steigenden Pegelstand beförderten Freischwimmversuch einer seit Tagen vorbereiteten Rettungsaktion durch eine von zwei Unternehmern finanzierte Privatinitiative zuvor, die das hilflose Tier mit einem System aus Luftkissen und Pontons anheben und bis in Nordsee oder Atlantik schleppen will. Es sollte sich um eine Art allerletzten Hilfsversuch für den bereits mehrfach gestrandeten Wal handeln, der von Behörden und hinzugezogenen Experten praktisch schon aufgegeben worden war.
Der Wal wurde erstmals am 3. März im Hafen von Wismar beobachtet und irrt seither vor der deutschen Ostseeküste umher. Er strandete dabei mehrfach vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, zuletzt kam er in einer Seitenbucht vor der Insel Poel bei Wismar fest. Es ist unklar, warum das ungefähr vier bis fünf Jahre alte Tier in die für ihn als Lebensraum ungeeignete Ostsee geriet und was ihm fehlt.
Mecklenburg-Vorpommerns Landesumweltministerium und Fachleute kamen schon vor rund drei Wochen zu dem Schluss, dass der Meeressäuger in schlechtem Zustand, mutmaßlich schwer krank und womöglich sogar sterbend sei. Ende März wurden sämtliche Bemühungen zur aktiven Rettung mangels realistischer Erfolgsaussichten und aus tierschutzrechtlichen Bedenken beendet. Es galt als wahrscheinlich, dass der Wal in der Bucht verenden würde.
Gleichwohl entschied das Landesumweltministerium in der vergangenen Woche, einen neuerlichen Rettungsversuch durch die unter anderem von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz getragene private Initiative zu dulden. Die Verantwortung dafür liegt allein bei der Initiative, die Behörden überwachen die Aktion jedoch mit eigenen Fachleuten.
O.Jonstone--EWJ