English Woman's Journal - Ifo-Berechnung: Akw-Laufzeitverlängerung würde Strompreis 2023 etwas senken

Ifo-Berechnung: Akw-Laufzeitverlängerung würde Strompreis 2023 etwas senken


Ifo-Berechnung: Akw-Laufzeitverlängerung würde Strompreis 2023 etwas senken
Ifo-Berechnung: Akw-Laufzeitverlängerung würde Strompreis 2023 etwas senken / Foto: Christof STACHE - AFP/Archiv

Wenn alle drei verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland noch bis 2030 laufen würden, dürfte dies einer Studie zufolge im kommenden Jahr den Strompreis etwas senken. Der Preis würde 2023 um vier Prozent niedriger ausfallen und ab 2024 um etwa 1,2 Prozent, erklärte das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch. Die längeren Laufzeiten sparten allerdings "nur geringe Mengen an Erdgas ein und behindern im Gegenzug mittelfristig den Ausbau der erneuerbaren Energien".

Textgröße ändern:

In der Studie hatte der Ifo-Stromexperte Mathias Mier mehrere Szenarien durchgespielt. Um den Effekt der Akw-Laufzeitverlängerung auf den Strommix und die Preisentwicklung zu berechnen, nahm er an, dass die drei Meiler mit neuen Brennstäben versorgt werden und "mehr oder weniger ohne größere Unterbrechung bis Ende 2030 weiter in Betrieb sind".

Die Akw würden dabei 25 bis 33 Terawattstunden Strom im Jahr liefern, heißt es in der Studie weiter. Das entspreche etwa vier Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms. Der Stromerzeugungsanteil von Erdgas würde demnach allerdings nur von 8,3 Prozent auf 7,6 Prozent im Jahr 2023 und auf 7,2 Prozent im Jahr 2024 sinken. "Denn Atomkraft ersetzt Erdgas nicht 1:1, sondern kurzfristig vor allem auch Kohle", erklärte Mier. Gleichzeitig würden die Investitionen in Photovoltaik und Wind geringer ausfallen als ohne Laufzeitverlängerung.

Eine klare Empfehlung in Bezug auf die innerhalb der Ampel-Koalition hoch umstrittene Akw-Laufzeitverlängerung gab das Ifo-Institut nicht ab. "Nicht alle Determinanten des künftigen Stromverbrauchs und insbesondere der Erdgasverfügbarkeit im Winter" seien heute bereits bekannt, erklärte es. Deswegen könne es sinnvoll sein, "sich die Option Atomstrom auch über eine krisenbedingte, kurzfristige Laufzeitverlängerung im kommenden Jahr hinaus offen zu halten".

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will als Konsequenz aus einem kürzlich abgeschlossenen Stresstest der Stromversorgung zwei der drei Atomkraftwerke bis Mitte April 2023 in Reserve halten. Dagegen fordert die FDP - ebenso wie CDU und CSU - einen Weiterbetrieb über mehrere Jahre hinweg. Nach aktueller Rechtslage werden im Zuge des Atomausstiegs die verbliebenen Meiler zum Jahresende abgeschaltet.

Ch.McDonald--EWJ

Empfohlen

Petersberger Klimadialog: Energiekrise ist Signal für Abkehr von fossiler Energie

Die globale Energiekrise prägt die Beratungen des internationalen Petersberger Klimadialogs in Berlin. UN-Generalsekretär António Guterres und weitere der Teilnehmenden aus mehr als 30 Staaten riefen am Dienstag dazu auf, die Lage als Signal für die Abkehr von fossilen Energieträgern und einen Umstieg auf Erneuerbare zu verstehen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) forderte, beim Klimaschutz "einen Schritt zuzulegen".

Buckelwal vor Poel liegt erneut teilweise auf - Backhaus: "Er ruht sich aus"

Der vor der Ostseeinsel Poel liegende Buckelwal liegt kurze Zeit nach seinem Freischwimmversuch vom Montag wieder teilweise auf einer Sandbank auf. Es handle sich aber nicht um eine neue Strandung, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) am Ort des Geschehens. "Er ruht sich aus." Die aktuell für die Walrettung verantwortliche Privatinitiative und die Behörden berieten nun über das weitere Vorgehen.

Klima-Allianz: Energiewende in aktueller Krise entschlossen vorantreiben

Im Vorfeld des Petersberger Klimadialogs in Berlin hat die Klima-Allianz Deutschland dazu aufgerufen, die Energiewende national und international entschlossener voranzutreiben. "Da die Klimakrise und die geopolitische Abhängigkeit von Öl und Gas zu einem Sicherheitsrisiko für Wirtschaft und Gesellschaft geworden sind, schützt eine beschleunigte Energiewende Deutschland nicht nur vor steigenden Kosten, sondern stärkt auch die nationale Widerstandsfähigkeit", erklärte die Organisation am Montag.

Fachleute im Bundesumweltministerium: Mini-Atomkraftwerke sind unwirtschaftlich

Fachleute im Bundesumweltministerium (BMUKN) halten sogenannte Mini-Atomkraftwerke für unwirtschaftlich. In einem internen Papier widersprechen sie laut einem Bericht des Senders SWR vom Montag gegensätzlichen Einschätzungen unter anderem von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ein Ministeriumssprecher bestätigte dem SWR demnach die Existenz dieser fachlichen Bewertung.

Textgröße ändern: