English Woman's Journal - Niedersachsen verbietet künftig Anbindehaltung von Rindern

Niedersachsen verbietet künftig Anbindehaltung von Rindern


Niedersachsen verbietet künftig Anbindehaltung von Rindern
Niedersachsen verbietet künftig Anbindehaltung von Rindern / Foto: Christof STACHE - AFP/Archiv

Die bereits seit Langem in der Kritik stehende Anbindehaltung von Rindern soll in Niedersachsen künftig verboten werden. "Das Leid der Rinder, die in Anbindehaltung gehalten werden, muss endlich beendet werden", erklärte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) am Donnerstag. Tierschützer begrüßten, dass Niedersachsen als erstes Bundesland vollständig aus der Anbindehaltung von Rindern aussteige.

Textgröße ändern:

Nach Ministeriumsangaben gibt es in Niedersachsen noch deutlich mehr als tausend Betriebe, in denen Rinder über mehrere Monate im Jahr oder über mehrere Stunden am Tag in Anbindehaltung gehalten werden. Deutschlandweit werden demnach noch immer mehr als eine Million Rinder in landwirtschaftlichen Betrieben im Stall angebunden gehalten.

Diese Haltungsform sei mit den Anforderungen des Tierschutzgesetzes nicht vereinbar, führte das Ministerium aus. "In der Anbindehaltung verbringen Rinder ihr Dasein mit einer Kette um den Hals fixiert in einem knapp über einem Meter breiten Stand, Seite an Seite und nahezu bewegungsunfähig mit ihren Art- oder besser Leidensgenossen", erklärte Landwirtschaftsministerin Staudte. Die Haltungsform sei aus Tierschutzgründen untragbar, da sie unter anderem das Bewegungs- und Sozialverhalten der Rinder "erheblich" einschränke.

Vor dem Hintergrund einer mittlerweile jahrzehntelangen Debatte gehe Niedersachsen deshalb nun "einen eigenen Weg, um langfristig die Anbindehaltung von Rindern zu beenden", erklärte Staudte. Dafür wurde laut Ministerium ein an die kommunalen Veterinärbehörden gerichteter Erlass erarbeitet, "mit dem die Anbindehaltung von Rindern in Niedersachsen grundsätzlich zu untersagen ist".

Konkret müssen sich Betriebe, die ihren Rindern gar keinen Auslauf ermöglichen und sie ganzjährig in Anbindehaltung halten, binnen sechs Monaten ab Bekanntgabe einer Allgemeinverfügung bei der zuständigen Veterinärbehörde melden und mitteilen, ob sie die Rinderhaltung umstellen oder aufgeben - bei einer Übergangsfrist von 18 Monaten. Für Betriebe mit kombinierter oder saisonaler Anbindehaltung gilt ein Zeitraum von drei Jahren für eine Meldung bei den Veterinärbehörden.

"Spätestens mit Ablauf einer Frist von sieben Jahren ab Bekanntgabe der Allgemeinverfügung muss der Umbau abgeschlossen sein", erklärte das Ministerium. In begründeten Einzelfällen kann die Frist demnach um weitere zwei Jahre verlängert werden.

Staudte hob hervor, dass es gelungen sei, einen Ausstiegsplan vorzulegen, "der sowohl von Seiten der Landwirtschaft als auch von Tierschutzverbänden erarbeitet wurde". Der Landesbauernverband begleite den Ausstieg aus der Anbindehaltung "kritisch, steht aber im Ergebnis klar hinter diesem Schritt", erklärte der Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Frank Kohlenberg. Entscheidend sei, dass der Wandel "praxisnah und mit Augenmaß" erfolge.

Ausdrücklich begrüßt wurde der niedersächsische Vorstoß vom Deutschen Tierschutzbund. "Statt vergeblich auf den Bund zu warten, zeigt Niedersachsen, wie es geht", erklärte Verbandspräsident Thomas Schröder. "Jetzt müssen die anderen Bundesländer nachziehen - das Ende der tierschutzwidrigen Anbindehaltung ist längst überfällig", forderte er.

A.Wallace--EWJ

Empfohlen

25 Mutterschafe von Weide gestohlen - Lämmer zurückgelassen

In Brunsbüttel in Schleswig-Holstein haben Unbekannte 25 Mutterschafe von einer Weide gestohlen. Die dazugehörigen Lämmer ließen sie zurück, wie die Polizei am Donnerstag in Itzehoe mitteilte.

Rohstoffe: Regierung will Land mit Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft unabhängiger machen

Ob Stahlschrott für Bahnschienen, alte Akkus für neue Batterien oder das Recycling von Baustoffen: Die Bundesregierung will mit einem Aktionsprogramm die Kreislaufwirtschaft stärken und Deutschland unabhängiger machen. Das Programm sei "gut für die Umwelt, aber auch für die Wirtschaft und macht uns unabhängiger und krisenfester", sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Mittwoch. Für viele Wirtschaftsverbände allerdings bleibt der Plan hinter den Erwartungen zurück.

Breites Bündnis fordert Nachhaltigkeitsstrategie für das Gesundheitswesen

Ein breites Bündnis aus Krankenkassen sowie Gesundheits- und Wirtschaftsverbänden fordert eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie für das Gesundheitswesen. "Nachhaltigkeit muss in den anstehenden Strukturreformen verbindlich verankert werden, damit das deutsche Gesundheitswesen langfristig finanzierbar bleibt und den internationalen Anschluss nicht verliert", heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Eckpunktepapier. Damit senden die Unterzeichner ein Signal an die Politik für die anstehenden Reformen im Gesundheitsbereich.

Umweltminister Schneider: Kreislaufwirtschaft macht uns unabhängiger

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sieht im Aktionsprogramm zur Kreislaufwirtschaftsstrategie große Chancen für die Umwelt, aber auch für die Rohstoffunabhängigkeit. Das Programm liefere den Rahmen, Lieferketten in Deutschland zu schließen und Rohstoffe, beispielsweise aus Autos, wieder zerlegt zur Verfügung zu stellen, sagte Schneider am Mittwoch den Sendern RTL und ntv. Es soll am Vormittag vom Kabinett beschlossen werden.

Textgröße ändern: