English Woman's Journal - Baden in der Seine erlaubt - und gleich wieder verboten

Baden in der Seine erlaubt - und gleich wieder verboten


Baden in der Seine erlaubt - und gleich wieder verboten
Baden in der Seine erlaubt - und gleich wieder verboten / Foto: JULIEN DE ROSA - AFP

Erstmals seit mehr als hundert Jahren war am Wochenende in Paris das öffentliche Schwimmen in der Seine erlaubt - allerdings nicht lange: Nur einen Tag nach ihrer Eröffnung mussten die drei neuen Flussbäder am Sonntag wegen Regens wieder schließen. Die Behörden befürchteten eine Verschlechterung der Wasserqualität.

Textgröße ändern:

Zunächst herrschte am Samstag aber große Freude: Unter dem Blick der Bademeister und bei einer Wassertemperatur von rund 25 Grad stiegen und sprangen die Menschen in die drei neuen Flussbäder. Unter den ersten Badegästen war am Morgen die 95-jährige Pariserin Ingrid, die in Begleitung ihrer Enkelin an der Badestelle Bercy zum Schwimmen kam. "Ich bin so glücklich! Seit Jahren träume ich davon, in der Seine zu schwimmen", sagte sie und stieg vorsichtig die Leiter ins Wasser hinab.

Die insgesamt drei abgegrenzten Flussbäder in der französischen Hauptstadt sind gratis für die Öffentlichkeit zugänglich, eine davon ganz in der Nähe des Eiffelturms. Grüne, gelbe oder rote Fahnen sollen darüber informieren, ob das Baden uneingeschränkt oder eingeschränkt empfohlen oder aber verboten ist.

Die Bäder sollen bis zum 31.August geöffnet bleiben - so lange die Wasserqualität stimmt. Und genau diese machte den Badelustigen gleich am zweiten Tag einen Strich durch die Rechnung: Am Sonntag wehten rote Fahnen über den Bädern, damit war das Baden verboten.

Die Bäder seien wegen des Regens geschlossen, hieß es auf der Website der französischen Hauptstadt. Hintergrund waren Befürchtungen, dass das aus dem 19. Jahrhundert stammende Abwassersystem von Paris überlaufen und Schmutzwasser in die Seine fließen könnte. Die Wasserqualität an den Bädern wird ständig überprüft.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hatte sich dafür eingesetzt, die Seine bis zu den Olympischen Spielen 2024 soweit zu säubern, dass ein Teil der Wettbewerbe im Fluss stattfinden konnte. Dafür wurde eine Milliardensumme investiert, seit Samstag ist nun auch das öffentliche Schwimmen erlaubt. Damit bekommt Paris einen weiteren Ort der Abkühlung, was Einwohner und Touristen angesichts der zunehmenden Hitzewellen zu schätzen wissen dürften. Hidalgo strebt insgesamt die Öffnung von 30 Badestellen an.

Vor dem Baden müssen alle Gäste zur Sicherheit einen gelben Schwimmkörper mit einem Gürtel an der Taille befestigen. Die Wassertiefe beträgt durchschnittlich 3,50 Meter, jeder Badegast muss - zumindest theoretisch - vor dem Baden seine Schwimmfertigkeiten nachweisen.

Die Behörden warnen zudem vor den Gefahren, die selbst an den kontrollierten Badestellen drohen könnten: Ein Fluss bleibt ein lebendiges Gewässer, durch Schlamm und Wasserpflanzen am Flussbett, Strömungen und mögliche Unterkühlung bestehe weiterhin ein Restrisiko.

Das Baden in der Seine war 1923 wegen des zunehmenden Schiffsverkehrs grundsätzlich verboten worden. Mit der Eröffnung der neuen Schwimmstätten löste die sozialistische Bürgermeisterin Hidalgo mit gut drei Jahrzehnten Verspätung ein Versprechen eines ihrer Amtsvorgänger ein: Der spätere Präsident Jacques Chirac kündigte 1988 als Hauptstadtbürgermeister an, fünf Jahre später in der Seine baden zu wollen.

P.Smid--EWJ

Empfohlen

Petersberger Klimadialog: Energiekrise ist Signal für Abkehr von fossiler Energie

Die globale Energiekrise prägt die Beratungen des internationalen Petersberger Klimadialogs in Berlin. UN-Generalsekretär António Guterres und weitere der Teilnehmenden aus mehr als 30 Staaten riefen am Dienstag dazu auf, die Lage als Signal für die Abkehr von fossilen Energieträgern und einen Umstieg auf Erneuerbare zu verstehen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) forderte, beim Klimaschutz "einen Schritt zuzulegen".

Buckelwal vor Poel liegt erneut teilweise auf - Backhaus: "Er ruht sich aus"

Der vor der Ostseeinsel Poel liegende Buckelwal liegt kurze Zeit nach seinem Freischwimmversuch vom Montag wieder teilweise auf einer Sandbank auf. Es handle sich aber nicht um eine neue Strandung, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) am Ort des Geschehens. "Er ruht sich aus." Die aktuell für die Walrettung verantwortliche Privatinitiative und die Behörden berieten nun über das weitere Vorgehen.

Klima-Allianz: Energiewende in aktueller Krise entschlossen vorantreiben

Im Vorfeld des Petersberger Klimadialogs in Berlin hat die Klima-Allianz Deutschland dazu aufgerufen, die Energiewende national und international entschlossener voranzutreiben. "Da die Klimakrise und die geopolitische Abhängigkeit von Öl und Gas zu einem Sicherheitsrisiko für Wirtschaft und Gesellschaft geworden sind, schützt eine beschleunigte Energiewende Deutschland nicht nur vor steigenden Kosten, sondern stärkt auch die nationale Widerstandsfähigkeit", erklärte die Organisation am Montag.

Fachleute im Bundesumweltministerium: Mini-Atomkraftwerke sind unwirtschaftlich

Fachleute im Bundesumweltministerium (BMUKN) halten sogenannte Mini-Atomkraftwerke für unwirtschaftlich. In einem internen Papier widersprechen sie laut einem Bericht des Senders SWR vom Montag gegensätzlichen Einschätzungen unter anderem von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ein Ministeriumssprecher bestätigte dem SWR demnach die Existenz dieser fachlichen Bewertung.

Textgröße ändern: