English Woman's Journal - Sammer kritisiert die Entwicklung im deutschen Fußball

Sammer kritisiert die Entwicklung im deutschen Fußball


Sammer kritisiert die Entwicklung im deutschen Fußball
Sammer kritisiert die Entwicklung im deutschen Fußball / Foto: © IMAGO/Jonathan Moscrop/SID

Matthias Sammer hat die grundsätzliche Entwicklung des deutschen Fußballs kritisiert. "Wir Deutschen sind, wie man an unserer Fußballgeschichte sieht, immer mannschaftlich geschlossen, robust und kompakt aufgetreten", erklärte der ehemalige Nationalspieler im Interview mit dem kicker: "Wir hatten Einzelspieler, die Genies waren; aber als Mannschaft waren wir eine Maschine. Heute sind wir noch maximal ein Maschinchen."

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Derzeit herrsche "eine falsche Interpretation vor", sagte Sammer: "Wir haben keine Künstliche Intelligenz auf dem Platz, keine KI, sondern denkende und fühlende Menschen, die Selbstvertrauen und Abläufe brauchen."

Angesprochen auf das Viertelfinal-Aus deutscher Klubs in den europäischen Wettbewerben und der Klub-WM sowie der deutschen Nationalmannschaft bei der Heim-EM 2024 antwortete Sammer, dass diese Bilanz "in Ordnung" sei: "Aber wir sollten auf der Grundlage unserer Ansprüche schon noch umfassend sachlich-kritisch analysieren und hinterfragen, warum es nicht weiter ging."

Für Sammer ist einer der Gründe, dass der deutsche Fußball "seine grundsätzliche Identität und damit wesentliche Stärken verloren" habe. Sicherlich seien Veränderungen und Innovationen notwendig gewesen, diesen Aspekten sei jedoch in der Wahrnehmung und Argumentation "ein höherer Stellenwert zuerkannt als den traditionellen Stärken", sagte der 57-Jährige.

"Diese wurden fälschlicherweise als Rumpelfußball, Fußball von gestern oder oldschool abgetan. Die Balance zwischen Innovation und Tradition, um unsere Identität zu bewahren, ist uns nicht geglückt", sagte Sammer: "Bewusst provokativ stelle ich mir, wenn ich den deutschen Fußball gerade sehe, die Frage: Wofür steht der deutsche Fußball heute eigentlich? Ich kann es nicht erkennen."

Sammer plädierte zudem dafür, bei Beurteilungen zu "differenzieren und kritisch-konstruktiv" zu diskutieren. Ergebnisse dürften nicht künstlich beschönigt werden: "Im Schönreden sind wir noch immer stärker als in der kritischen Analyse." Der deutsche Fußball müsse "wieder lernen, Durchschnitt nicht als Weltklasse zu verkaufen", erklärte Sammer.

So sei die Analyse nach der Heim-Europameisterschaft beispielsweise "übertrieben positiv" ausgefallen, sagte Sammer angesprochen auf das Viertelfinal-Aus gegen Spanien: "Es fehlte der Mut, bei unserem Maßstab zu sagen: Entschuldigung, wir sind im eigenen Land im Viertelfinale ausgeschieden, egal gegen wen."

Insgesamt wolle er aber "nicht von einer Fehlentwicklung sprechen", betonte Sammer: "Wir müssen unseren Fußball nur neu justieren und Schwerpunkte definieren. Wir brauchen keine flachen Hierarchien mehr. Des Weiteren haben die Führungsleute in den Vereinen sowie im Verband die Aufgabe, die Richtung vorzugeben."

K.R.Jones--EWJ

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