English Woman's Journal - Kritiker sehen Handlungsbedarf zur Schadensminderung für Drogenkonsumenten

Kritiker sehen Handlungsbedarf zur Schadensminderung für Drogenkonsumenten


Kritiker sehen Handlungsbedarf zur Schadensminderung für Drogenkonsumenten
Kritiker sehen Handlungsbedarf zur Schadensminderung für Drogenkonsumenten / Foto: Jack TAYLOR - AFP/Archiv

In der Drogenhilfe aktive Verbände und Experten sehen trotz einer geplanten Legalisierung von Cannabis weiter Handlungsbedarf zur Schadensminderung für Konsumenten. Der Drogenpolitik fehle nach wie vor eine wissenschaftlich fundierte Gesamtstrategie mit klaren Zielen, teilten die Deutsche Aidshilfe und der Akzept-Bundesverband in ihrem am Donnerstag vorgelegten Alternativen Drogen- und Suchtbericht mit.

Textgröße ändern:

Die willkürliche Einteilung in illegale und legale Substanzen hemme eine zieloffene Suchtarbeit. Verbände und Experten kritisierten, dass hochwirksame Methoden der Prävention und der Reduzierung von Gesundheitsrisiken nicht angewendet würden. So gebe es unter anderem Versäumnisse bei der Alkoholprävention.

Es sei zu begrüßen, dass die Bundesregierung das sogenannte Drugchecking in Drogenkonsumräumen ermögliche, erklärte die Geschäftsführerin des Verbunds für integrative soziale und therapeutische Arbeit, Nina Pritszens. Mit der Überprüfung der Drogen auf besonders gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe werde einer steigenden Zahl von Drogentoten entgegengewirkt.

Im Bereich der Substitution gebe es aber noch Nachholbedarf. Nur knapp 50 Prozent derjenigen, die Opioide konsumierten, würden durch eine Substitutionstherapie erreicht. Bisher werde diese Therapieform nicht ausreichend bedacht, erklärte Pritszens weiter. Sie forderte niedrigschwellige Zugänge für Patientinnen und Patienten sowie mehr Behandlungsplätze.

Der Bericht begrüßte die geplante Cannabislegalisierung. Konsumenten werde damit ein verantwortungsvoller Umgang erleichtert. Durch die Gesetzesänderung biete sich die Chance, Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch Präventionsangebote eine Schadens- und Risikominimierung zu vermitteln, erklärte Suchtexperte Ingo Ilja Michels. Er forderte jedoch auch Änderungen im Gesetzesentwurf.

Zudem kritisierte der Bericht einen fehlenden Plan zur Tabakkontrolle. Im Ausland erfolgreiche schadensmindernde Strategien würden in Deutschland ignoriert, kritisierte der Vorstandsvorsitzende des Akzept-Bundesverbands, Heino Stöver. Verbraucher würden nicht über weniger gesundheitsschädliche Formen der Nikotinaufnahme informiert. In der Drogenpolitik fehle zudem ein Alkoholkontrollplan. Stöver forderte mehr Investitionen in Aufklärung und eine Abschaffung der Alkoholwerbung in Deutschland.

Auch wenn junge Menschen heute weniger Zigaretten rauchten als vor einigen Jahren, sei der Konsum von E-Zigaretten gestiegen. Bernd Werse von der Goethe-Universität Frankfurt am Main forderte ein Werbeverbot insbesondere für Einweggeräte. Eine fehlende Regulierung kritisierte er auch bei Lachgas. Der Bericht wird seit 2014 herausgegeben und versteht sich als kritische Alternative zum Drogenbericht der Bundesregierung.

Ch.McDonald--EWJ

Empfohlen

Erster Ebola-Fall in Nigeria: Gefährlicher Bundibugyo-Virusstamm nachgewiesen

Der erste bestätigte Ebola-Fall in Nigeria geht laut den Gesundheitsbehörden auf den Bundibugyo-Virusstamm zurück, der bereits die aktuelle Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo verursacht hat. Zur Absicherung der Diagnose seien drei Molekulartests vorgenommen worden, sagte Olajumoke Babatunde, Direktorin der öffentlichen Labordienste am Nigerianischen Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention (NCDC), am Mittwoch im Anschluss an eine Dringlichkeitssitzung.

Ebola-Epidemie: Nigeria meldet ersten Fall

In der Ebola-Epidemie in Zentralafrika hat nun auch Nigeria einen ersten Fall gemeldet. Eine unlängst per Flugzeug aus Uganda eingereiste Frau sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden, teilte das Gesundheitsministerium des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas am Dienstag mit. Dort sei sie mehrere Tage behandelt worden, bevor sich die Diagnose bestätigt habe. Die Regierung forderte alle Gesundheitseinrichtungen des Landes zu "höchster Alarmbereitschaft" auf.

Kassenärzte sagen deutlich längere Termin-Wartezeiten ab 2027 voraus

Die Kassenärzte in Deutschland erwarten, dass gesetzlich Versicherte ab kommendem Jahr deutlich länger auf einen Arzttermin als bisher warten müssen. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, verwies dazu in der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe) auf die Kürzung von Mitteln für die ambulante Versorgung. Dadurch seien "mehr als 50 Millionen Termine" gestrichen worden. Die Terminnot werde sich daher weiter verschärfen, sagte Gassen.

Facharzttermine: Koalition will bei Wartezeiten für Kassenpatienten handeln

Die schwarz-rote Koalition will bei der Vergabe von Facharztterminen an gesetzlich Versicherte mehr Gerechtigkeit schaffen. Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) kündigte am Wochenende Vorschläge von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) an, die für kürzere Wartezeiten sorgen sollen. Der Vorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Oliver Blatt, kritisierte die bisherige Bevorzugung von Privatpatienten als "himmelschreiende Ungerechtigkeit".

Textgröße ändern: