English Woman's Journal - Anschlag bei Paris: Täter bekennt sich zu rassistischem Motiv

Anschlag bei Paris: Täter bekennt sich zu rassistischem Motiv


Anschlag bei Paris: Täter bekennt sich zu rassistischem Motiv
Anschlag bei Paris: Täter bekennt sich zu rassistischem Motiv / Foto: Anne-Christine POUJOULAT - AFP

Der Angreifer, der vor knapp einer Woche bei Paris einen Menschen erschossen und sieben weitere verletzt hat, hat sich zu einem rassistischen Motiv bekannt. Der 39 Jahre alte Kévin T. räumte ein, "gezielt Menschen vom muslimischen, afrikanischen oder nordafrikanischen Typ" ins Visier genommen zu haben, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Er habe den Ort Trappes ausgesucht, weil dieser als "Hochburg von Islamisten gelte". Eine terroristische Absicht bestritt er. Seinen Angriff in den Pariser Vororten Trappes und La Verrière bezeichnete er als legitim. Der Täter empfinde "keinerlei Bedauern", sagte Anti-Terror-Staatsanwalt Olivier Christen.

Textgröße ändern:

Kévin T. sollte noch am Donnerstag einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft.

Die Ermittler fanden bei dem allein lebenden Angestellten einer Autofirma Dutzende selbst entworfene Aufkleber mit Parolen wie "100 Prozent französisch". Auf einem Aufkleber ist die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) erwähnt: "Vive la France. RN. Stolz, Franzose zu sein". Kévin T. gab an, den Aufkleber selbst entworfen und bei Amazon bestellt zu haben. Er sei jedoch kein Parteianhänger.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der 39-Jährige seine Tat von langer Hand geplant. Er habe im September Waffenzubehör gekauft, um die Wirksamkeit seiner Maschinenpistole vom Typ Stengun zu erhöhen, sowie Handschellen und eine Polizei-Armbinde. Außerdem habe er seinen Laptop verkauft, sein Mobiltelefon versteckt und seine Social-Media-Konten gelöscht.

In früheren Phasen habe er versucht, "linke Gruppen zu infiltrieren", sagte der Beschuldigte nach Angaben der Staatsanwaltschaft. In Medien waren Fotos aufgetaucht, die ihn 2018 mit pro-palästinensischen Aktivisten und Umweltschützern zeigten.

Kévin T. wurde bereits vier Mal verurteilt, zuletzt 2012. Er habe von psychischen Problemen sowie einem starken Drogenkonsum seit seinem 13. Lebensjahr berichtet, erklärte der Staatsanwalt. Zum Zeitpunkt des Angriffs seien Cannabis und Kokain in seinem Blut nachgewiesen worden. Zudem gebe es Hinweise auf die Einnahme von Antidepressiva und antipsychotischen Medikamenten.

Der Angreifer hatte am Freitag aus seinem Auto heraus über eine Strecke von zwölf Kilometern immer wieder mit einer Maschinenpistole auf Menschen geschossen. Insgesamt gab er 128 Schüsse ab.

Der 26 Jahre alte Pengo Bossio Wangi, ein Franzose mit kongolesischen Wurzeln, wurde getötet. Zu den sieben Verletzten zählt die elf Jahre alte Ramatou, die von acht Schüssen getroffen wurde, aber inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr schwebt. Ein weiteres Opfer schwebt noch immer in Lebensgefahr.

Der Vorfall hatte eine Schockwelle in Frankreich ausgelöst. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron prangerte eine allgemeine "Enthemmung der Gewalt" an. "Bei manchen gibt es eine Enthemmung des Antisemitismus und bei anderen eine Enthemmung des Rassismus", sagte er in Anspielung auf die linkspopulistische Partei La France Insoumise und die rechtspopulistische Partei Rassemblement National.

Premierminister Sébastien Lecornu will demnächst eine nationale Trauerfeier für die Opfer abhalten. Ein Datum dafür gibt es noch nicht.

L.MacDonald--EWJ

Empfohlen

Mehr als viereinhalb Jahre Haft für IS-Mitglied in Thüringen

Das Oberlandesgericht Jena hat einen 66-jährigen früheren Angehörigen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu vier Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Schuldig gesprochen wurde er wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte. Der zuständige Senat sah es als erwiesen an, dass sich der Beschuldigte 2014 dem IS anschloss.

Tödliches Zugunglück in Spanien: Fassungslosigkeit und viele Fragen

Nach dem Zugunglück mit mindestens 69 Toten herrschen in Spanien Trauer und Fassungslosigkeit angesichts vieler offener Fragen zur Unglücksursache. Regierungschef Pedro Sánchez sagte am Donnerstag bei einem Besuch am Unglücksort südlich von Madrid, die Behörden arbeiteten "Tag und Nacht" daran, "jedes noch so kleine Detail dieser Tragödie aufzuklären". Zum Auftakt einer dreitägigen Staatstrauer wurden die Flaggen im ganzen Land auf Halbmast gesetzt.

Unbekannte verursachen halbe Million Euro Schaden durch Betrug bei Goldankauf

Unbekannte haben in Sachsen mit betrügerischen Goldankäufen binnen weniger Tage einen Schaden von rund einer halben Million Euro verursacht. Mehrere Kunden fielen auf die Masche herein, wie das Landeskriminalamt Sachsen am Donnerstag in Dresden mitteilte. Demnach eröffneten Unbekannte Ende September in Limbach-Oberfrohna ein Geschäft für den Ankauf von Edelmetallen.

Observation von deutschem Maddie-Verdächtigem erneut nicht verlängert

Erneut ist ein für den deutschen Verdächtigen im Fall des 2007 verschwundenen britischen Mädchens Madeleine "Maddie" geltender gerichtlicher Observationsbeschluss zunächst nicht verlängert worden. Wie die Polizei in Kiel am Donnerstag mitteilte, legte sie dagegen bereits Beschwerde beim zuständigen Amtsgericht ein. Weiter teilten die Beamten mit, sie erfüllten trotzdem weiterhin ihre "Aufgaben zur Gefahrenabwehr und zur Strafverfolgung".

Textgröße ändern: