English Woman's Journal - Tod eines Zugbegleiters bei Ticketkontrolle: Debatte über Konsequenzen

Tod eines Zugbegleiters bei Ticketkontrolle: Debatte über Konsequenzen


Tod eines Zugbegleiters bei Ticketkontrolle: Debatte über Konsequenzen
Tod eines Zugbegleiters bei Ticketkontrolle: Debatte über Konsequenzen / Foto: ARMANDO BABANI - AFP/Archiv

Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters bei einer Fahrkartenkontrolle in Rheinland-Pfalz ist eine Debatte über die Konsequenzen aus dem Fall voll entbrannt. Vertreter von Gewerkschaften und Bahnbetriebsrat forderten eine Doppelbesetzung und bessere Schutzausrüstung für das Zugpersonal, etwa in Form von Bodycams und Notfallknöpfen. Der Deutsche Richterbund warnte derweil vor reflexhaften Rufen nach Strafrechtsverschärfungen.

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"Wir brauchen Doppelbesetzung, wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt", sagte der Chef des Gesamtbetriebsrats der DB Regio Schiene und Bus, Ralf Damde, dem Westdeutschen Rundfunk am Donnerstag. Nötig seien neue Sicherheitskonzepte und eine stärkere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei.

Damde kritisierte zudem die Bahnbetreiber. Bei Ausschreibungen in der Vergangenheit habe "je billiger, desto besser" gegolten. Das führe dazu, dass Züge nicht mehr von ausreichend Personal begleitet würden.

Ein 36-jähriger Zugbegleiter war am Montag in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz von einem Schwarzfahrer lebensbedrohlich verletzt worden. Er hatte den Reisenden kontrolliert und wollte ihn wegen des fehlenden Fahrscheins des Zugs verweisen. Der Bahn-Mitarbeiter starb an seinen Verletzungen. Die Tat löste Entsetzen und Mitgefühl aus, in die Reaktionen mischten sich auch Forderungen nach härteren Strafen

Martin Burkert, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, forderte ebenfalls eine Doppelbesetzung in Zügen. "Dann wäre das vielleicht verhinderbar gewesen", sagte er am Donnerstag im Radiosender Bayern2. "Wir weisen seit Jahren darauf hin", fügte er hinzu. 82 Prozent der Bahn-Mitarbeiter hätten bereits einen verbalen oder körperlichen Angriff erlebt. "Das sind schockierende Zahlen."

Die Ausstattung könne verbessert werden, führte der Gewerkschaftschef an. Dazu zählten etwa Bodycams mit Ton oder ein Notrufknopf an der Uhr. "Das ist alles immer mit Kosten verbunden. Aber Sicherheit ist nicht verhandelbar", sagte Burkert. Um auf aggressive Kunden zu reagieren, werde das Bahnpersonal mittlerweile geschult. "Aber für uns ist halt wichtig, dass kein Zugbegleiter oder Begleiterin alleine im Zug ist."

Der Deutsche Richterbund äußerte sich derweil kritisch zu Rufen nach härteren Strafen. "Der bekannte Reflex in der Politik, das Strafrecht verschärfen zu wollen, ist nachvollziehbar, aber nicht die richtige Antwort", erklärte dessen Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn. "Für Tötungsdelikte sieht das Strafrecht schon heute schwerste Strafen vor."

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) forderte am Donnerstag eine schnelle Einigung über die Finanzierung weiterer Sicherheitsmaßnahmen im Bahnverkehr. "Wir brauchen eine stärkere Besetzung der Bundespolizei an unseren Bahnhöfen", sagte er bei "Phoenix". Er forderte eine Sonderverkehrsministerkonferenz.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr brachte am Donnerstag eine Ausstattung des Zugpersonals mit Tasern ins Spiel. "Darüber muss man auch nachdenken", sagte er in der RTL/n-tv-Sendung "Frühstart".

Laut Staatsanwaltschaft starb der 36-Jährige an einer Hirnblutung durch stumpfe Gewalt gegen den Kopf. Der Zugbegleiter wollte den Tatverdächtigen am Montagnachmittag in einer Regionalbahn in Richtung Homburg kurz nach Verlassen des Bahnhofs Landstuhl kontrollieren, wie die zuständige Ermittlungsbehörde in Zweibrücken am Mittwochabend unter Verweis auf die bisherigen Ermittlungsergebnisse erklärte.

Da der Mann keine Fahrkarte habe vorzeigen können, habe der 36-Jährige ihn aufgefordert, den Zug zu verlassen. Daraufhin soll der 26-Jährige den Zugbegleiter mehrere heftige Faustschläge versetzt haben. Dadurch habe dieser das Bewusstsein verloren, hieß es weiter.

Er wurde von Einsatzkräften reanimiert und mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Am Mittwoch erlag er schließlich seinen Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Totschlags, der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft.

Der Beschuldigte habe sich bislang nicht zur Sache eingelassen, hieß es von der Staatsanwaltschaft. "Hintergrund der Tat und Motivlage des Beschuldigten sind Gegenstand der Ermittlungen." Er sei griechischer Staatsbürger und lebe in Luxemburg. In Deutschland sei er nicht vorbestraft, auch polizeiliche Erkenntnisse zu ihm lägen nicht vor.

Der Vater des Zugbegleiters erlitt nach Angaben der "Bild"-Zeitung einen Herzinfarkt, nachdem er von der Tat erfahren hatte. Er habe die Klinik zwei Tage später wieder verlassen können. "Ich habe einen Bypass bekommen. Aber mein Sohn wird nicht wieder zurückkommen", sagte der Vater des getöteten Zugbegleiter der "Bild"-Zeitung.

L.Scott--EWJ

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