English Woman's Journal - Patientenschützer wollen Hitze als Todesursache erfassen - Statistik zu ungenau

Patientenschützer wollen Hitze als Todesursache erfassen - Statistik zu ungenau


Patientenschützer wollen Hitze als Todesursache erfassen - Statistik zu ungenau
Patientenschützer wollen Hitze als Todesursache erfassen - Statistik zu ungenau / Foto: David GANNON - AFP/Archiv

Angesichts der steigenden Opferzahl der Hitzewelle haben sich Patientenschützer dafür ausgesprochen, dass Hitze als Todesursache auf Totenscheinen vermerkt wird. "Den Folgen des Klimawandels muss endlich ein Gesicht gegeben werden", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der "Rheinischen Post" vom Samstag. Brysch äußerte ebenso wie der Verband der Intensivmediziner den Verdacht, dass die vom Robert-Koch-Institut angegebene Zahl der Hitzetoten wegen einer hohen Dunkelziffer zu niedrig sei.

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Das Institut berechne den Wert derzeit "mithilfe von statistischen Modellrechnungen und Künstlicher Intelligenz", sagte Brysch. Die genauen Zahlen blieben aber unklar. Nach letzten Angaben bezifferte das RKI die Zahl der Hitzetoten in diesem Jahr mit 12.500.

Diese Schätzzahl sei zu niedrig, sagte auch Uwe Janssens, der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Auf dem Totenschein hoch betagter Verstorbener stehe oft Organversagen, "aber die Hitze hatte einen klaren Einfluss", sagte Janssens den Funke-Zeitungen vom Samstag.

Diese Todesfälle würden in den RKI-Statistiken nicht besonders gut erfasst, sagte der Intensivmediziner weiter. Er gehe deshalb davon aus, dass die Zahlen des RKI "nicht die gesamte Dramatik abbilden". Es seien "sicherlich mehrere Tausend Todesfälle mehr".

Gerade betagte Menschen hätten "kein richtiges Durstempfinden mehr: Sie merken nicht, dass sie Flüssigkeit verlieren und gegensteuern müssen", sagte Janssens. "Die Menschen schlafen ein und werden einfach nicht mehr wach. In der Regel versagt die Niere, weil die Menschen austrocknen." Diese hitzebedingten Fälle würden in der Statistik nicht erfasst.

Patientenschützer Brysch forderte, "hitzebedingte Todesfälle auf dem Totenschein als Todesursache zu vermerken". Ebenso müsse "festgehalten werden, ob der Hitzetod im Krankenhaus, Pflegeheim oder zu Hause eingetreten" sei. Nur so würden "die Konsequenzen einer auf die klimatischen Veränderungen unvorbereiteten Regierung schonungslos offengelegt", sagte Brysch.

Hitze an sich führt sehr selten unmittelbar zum Tod. In den meisten Fällen ist es eine Kombination aus hohen Temperaturen und bereits bestehenden Vorerkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungen- oder Nierenerkrankungen, die zum Tod führt. Auch deshalb wird Hitze auf dem Totenschein bisher nicht als Todesursache angegeben und taucht damit auch nicht in der Todesursachenstatistik auf.

Das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle wird durch das RKI mit Hilfe von statistischen Methoden durch den Vergleich der Zahl von Sterbefällen in Sommerwochen mit und ohne Hitze berechnet. Daraus ergibt sich die sogenannte Übersterblichkeit - also, dass in einem bestimmten Zeitraum mehr Menschen sterben, als normalerweise zu erwarten wäre.

Intensivmediziner Janssens sieht die Politik in der Verantwortung, mehr zu tun, um vulnerable Gruppen zu schützen. "Ich bin, auch als Bürger, extrem verstört über die Tatenlosigkeit der Bundes- und Landesregierungen", sagte er den Funke-Zeitungen. "Wir brauchen einen verbindlichen nationalen Hitzeschutzplan, wir brauchen eine sinnvolle Zusammenarbeit von Bund und Ländern, und wir brauchen Geld."

Kaum eine Notaufnahme sei klimatisiert, die Kosten für die entsprechende Ausstattung eines Zimmers lägen bei 15.000 bis 20.000 Euro. "Wenn man das hochrechnet auf das ganze Gebäude, kann das keine Klinik allein stemmen", sagte Janssens. "Das ist wirklich eine Katastrophe."

Viele Pflegekräfte und Pflegeheimbewohner erleben nach Gewerkschaftsangaben in diesem Sommer Temperaturen, die gegen Arbeitsschutzgesetze verstoßen und sogar gesundheitsgefährdend sind. Das zeigt eine Befragung der Gewerkschaft Verdi von 321 Pflegekräften und anderen Angestellten von Pflegeeinrichtungen, aus der die Funke-Zeitungen am Samstag berichteten. "Die Aussagen der Beschäftigten zeigen zum Teil erschreckende Zustände", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler zu den Ergebnissen.

"Temperaturen von bis zu 45 Grad in einigen Pflegeheimen sind für Beschäftigte unerträglich und können für Bewohnerinnen und Bewohner lebensgefährlich sein", warnte Bühler. Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtungen hätten die hohen Temperaturen schwerwiegende Folgen. In der Befragung berichteten elf Prozent der Beschäftigten in den Einrichtungen von Kreislaufzusammenbrüchen bei Bewohnern und Bewohnerinnen, zehn Prozent von Fällen von Dehydrierung und neun Prozent von Todesfällen, die mutmaßlich im Zusammenhang mit der Hitze stehen.

L.Scott--EWJ

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