English Woman's Journal - "Hitze ist ein stiller Killer": Bundesweiter Aktionstag zu Hitzeschutz

"Hitze ist ein stiller Killer": Bundesweiter Aktionstag zu Hitzeschutz


"Hitze ist ein stiller Killer": Bundesweiter Aktionstag zu Hitzeschutz
"Hitze ist ein stiller Killer": Bundesweiter Aktionstag zu Hitzeschutz / Foto: Ina FASSBENDER - AFP/Archiv

Zum bundesweiten Hitzeaktionstag in Deutschland am Donnerstag hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren neuen Leitfaden zum Schutz der Gesundheit vor Hitze vorgestellt. "Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent - und wir bezahlen dafür mit Menschenleben", erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri Kluge. Allein in den vergangenen vier Jahren seien europaweit mehr als 200.000 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. "Das muss ein Ende haben", forderte Kluge. "Hitze ist ein stiller Killer, aber kein unvermeidbarer."

Textgröße ändern:

In Deutschland gab es laut Robert-Koch-Institut im vergangenen Jahr insgesamt 2500 Hitze-Tote. Vor allem ältere Menschen und jene mit Vorerkrankungen seien betroffen gewesen. Jedes Jahr führe extreme Hitze weltweit zu einer Häufung von hitzebedingten Erkrankungen und Gesundheitsbeschwerden bis hin zu vorzeitigen Todesfällen, erklärte das Bundesumweltministerium anlässlich des Aktionstags.

Gerade Kreislauferkrankungen träten unter dem Einfluss von Hitze häufiger auf oder verschlechterten sich. Der wachsende Anteil vulnerabler Bevölkerungsgrupen wie etwa ältere Menschen machten anhaltende Hitzeperioden "zu einer wachsenden Bedrohung für die öffentliche Gesundheit", erklärte das Ministerium.

Der Leitfaden solle wissenschaftliche Orientierung für staatliche Akteure bieten, um Hitzeschutzaktivitäten wirksam auszurichten, erklärte das Ministerium. Er thematisiert unter anderem eine Verbesserung der lokalen Hitzewarnsysteme oder der Risikokommunikation mit vulnerablen Gruppen. Der erste WHO-Leitfaden wurde im Jahr 2008 veröffentlicht und wurde nun mit Blick auf aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis angepasst.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) wies darauf hin, dass der Schutz vor Hitze auch eine "soziale Frage" sei. "Wer keinen Garten oder Pool hat und in aufgeheizten Wohnungen in zubetonierten Stadtvierteln lebt, kann sich kaum gegen Hitze schützen", erklärte der Minister. "Was hilft, sind weniger CO2-Emissionen und mehr Vorsorge in Stadt und Land: Stadtbäume, Parks, intakte Flüsse, Wälder und Moore kühlen die Luft spürbar ab und speichern zudem Wasser."

Unter großen Bäumen sei es oft mehrere Grad kühler, erklärte Schneider: "Die Natur kann uns helfen gegen die Hitze, wenn wir sie lassen." Darum investiere die Bundesregierung "mehr als je zuvor in diese konkret spürbaren Maßnahmen gegen den Klimawandel".

Der neue Leitfaden der WHO gibt den Behörden laut Regionaldirektor Kluge "einen klaren Fahrplan an die Hand, um Vorsorgesysteme aufzubauen, die Leben retten". Partner wie die Bundesregierung und das Land Berlin wiesen bereits den Weg: "Sie zeigen, dass globale Standards, wenn sie auf allen Ebenen umgesetzt werden, zu lebensrettenden Maßnahmen vor Ort führen."

In Deutschland sind vor allem die Länder und Kommunen für den Hitzeschutz zuständig. So hat zum Beispiel der Berliner Senat im Jahr 2025 einen landesweiten Hitzeaktionsplan beschlossen. Darin enthalten sind 72 Maßnahmen, die den Hitzeschutz der Berliner Bevölkerung verbessern. Ein großer Baustein sind hierbei Kommunikationsmaßnahmen.

Berlins Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) betonte, dass große und dicht bebaute Metropolen "von den Gefahren der Sommerhitze besonders betroffen" seien. "Daher ist Berlin seit Jahren im Hitzeschutz für die Stadtbevölkerung aktiv und nimmt seine Aufgaben in der Daseinsvorsorge sehr ernst."

Europa gilt laut WHO als Weltregion, die stärker als viele andere Regionen von der Klimaerwärmung betroffen ist und folglich schon heute mit häufigen Hitzewellen zu kämpfen hat. Die meisten vorzeitigen Todesfälle aufgrund von extremer Hitze gab es in Italien, gefolgt von Spanien, Deutschland und Griechenland, wobei in Griechenland die hitzeassoziierten Todesfälle bezogen auf die Einwohnerzahl am höchsten lagen.

L.MacDonald--EWJ

Empfohlen

Nächster IPCC-Bericht: Chef des Weltklimarats drängt zu schneller Einigung bei Termin

Nach den vorerst gescheiterten Verhandlungen über den Zeitplan für den nächsten großen Sachstandsbericht strebt der Weltklimarat (IPCC) eine rasche Einigung an. Einen Konsens zu erzielen, sei "entscheidend", sagte der Chef des Weltklimarats, Jim Skea, am Montag. Das Gremium der Vereinten Nationen ist die maßgebliche Instanz für Klimawissenschaft.

Geld pro eingesparter Tonne CO2: Staatliche Förderung für Industrieinvestitionen

Das Bundeswirtschaftsministerium setzt 2027 das Förderprogramm für die energieintensive Industrie im Rahmen sogenannter CO2-Differenzverträge fort. Für 2026 sei das Interesse der Unternehmen sehr groß gewesen, es seien "substantiell" mehr Fördermittel als die zur Verfügung stehenden fünf Milliarden Euro beantragt worden, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium am Montag. Deshalb werde nun bereits das Verfahren für die nächste Vergaberunde im kommenden Jahr gestartet.

UN-Biodiversitätskonferenz in Eriwan zieht Zwischenbilanz bei Artenschutz-Zusagen

In der armenischen Hauptstadt Eriwan beginnt am Montag die 17. UN-Konferenz zur Umsetzung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD). Bei der sogenannten COP17 beraten Vertreter aus fast 200 Staaten zwei Wochen lang über Maßnahmen gegen den rasanten Rückgang der Biodiversität, die auch für den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielt. Das Treffen in Eriwan soll für eine erste Bestandsaufnahme des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal genutzt werden.

Heftige Zusammenstöße bei Protesttag in Frankreich - 166 Festnahmen

Begleitet von heftigen Zusammenstößen mit Sicherheitskräften sind in Frankreich am Samstag zehntausende Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem auf die Straße gegangen. Aus dem Umfeld von Innenminister Laurent Nuñez lagen am Mittag Zahlen vor, wonach an Kundgebungen und Protestaktionen außerhalb von Paris mehr als 32.000 Demonstrierende teilnahmen. In mehreren Städten gab es gewaltsame Auseinandersetzungen; bis zum Mittag wurden 166 Menschen festgenommen.

Textgröße ändern: