English Woman's Journal - Wal vor Insel Poel: Helfer können Rettungsversuch starten

Wal vor Insel Poel: Helfer können Rettungsversuch starten


Wal vor Insel Poel: Helfer können Rettungsversuch starten
Wal vor Insel Poel: Helfer können Rettungsversuch starten / Foto: Danny GOHLKE - AFP/Archiv

Im Kampf um das Leben des Buckelwals in der Ostsee können die Helfer einer privaten Rettungsinitiative einen neuen Rettungsversuch wagen. Das neue Konzept der Helfer sei intensiv "abgeklopft worden durch unsere Fachleute", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Samstag auf der Insel Poel. Nach der Prüfung sei die Landesregierung zu der Erkenntnis gekommen, "dass wir das nicht ablehnen und damit dulden".

Textgröße ändern:

Das Land erteile keine Genehmigungen, nach den rechtlichen Vorgaben sei es grundsätzlich zulässig, einem hilflosen Wildtier zu helfen. Es werde "immer so getan, als ob wir irgendwas behindern oder verhindern", sagte Backhaus weiter. "Das ist schlicht und ergreifend unwahr." Maßstab der Bewertung bleibe der Tierschutz und die Frage, ob der Rettungsversuch ohne zusätzliche Gefahren für Mensch und Tier umgesetzt werden könne. Die Verantwortung für die Maßnahme liege weiterhin bei der privaten Initiative.

"Wir kriegen morgen oder jetzt in der Nacht höhere Wasserstände", fuhr der Minister fort. Er könne nicht ausschließen, dass sich der Wal vielleicht auch schon früh am Morgen von selbst auf den Weg mache.

Behörden und von diesen hinzugezogene Experten hatten den Zustand des etwa zwölf Meter langen Meeressäugers bereits vor mehr als drei Wochen als derart kritisch eingestuft, dass sie weitere Hilfsversuche mangels Überlebenschancen einstellten. Mehrfachstrandungen von Walen gelten als sicheres Zeichen für gravierende Beeinträchtigungen, dazu kommen noch etwaige Komplikationen wie Organschäden durch Liegen in Flachwasser.

In der vergangenen Woche entschied Backhaus jedoch, einen neuen Rettungsversuch einer von Unternehmern finanzierten Privatinitiative zu dulden. Ihr Konzept sah ursprünglich vor, den Wal mit einem System aus Luftkissen und Pontons anzuheben und bis in die Nordsee oder den offenen Atlantik zu schleppen. Dieser Plan ist inzwischen vom Tisch. Nun wird Backhaus zufolge ein Transport im Inneren eines Spezialschiffs ins Auge gefasst. Demnach könnte das anscheinend noch bewegungsfähige Tier in dem absenkbaren Spezialschiff anders als in der Pontonkonstruktion wie in einem Becken treiben oder schwimmen.

Das neue Konzept sehe "im Vergleich zu bisherigen Ansätzen eine schonendere Vorgehensweise" vor, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium am Samstag. "Der Wal soll während des Transports in einer wassergefüllten Umgebung bewegt werden, die den Eingriff in das Tier reduziert."

Der schätzungsweise zwölf bis 15 Tonnen schwere Wal muss vor dem Abtransport erst aus dem extrem flachen Bereich bewegt werden, in dem er seit Montag in einem von Helfern ausgespülten Sandbecken liegt. Dafür wollte die Initiative eine breite Rinne graben, die eine Verbindung zu tieferem Fahrwasser schaffen soll. Diese stehe schon bereit, sagte eine Sprecherin der Initiative am Samstag der Nachrichtenagentur AFP.

Mit Blick auf den für Sonntag erwarteten Anstieg des Wasserstands bringe die Initiative so genannte Big Bags - mit Kies gefüllte Säcke - in die Nähe des Wals, erklärte die Sprecherin weiter. Diese sollen dafür sorgen, dass das Tier vor Ort in dem Becken bleibt und nicht in noch flachere Bereiche gerät, bis die Rettungsaktion startet.

Der Zustand des Wals bleibe "insgesamt weiterhin kritisch", erklärte das Umweltministerium weiter. Backhaus zufolge, der am Freitag selbst im Wasser bei dem Wal war, atmet das Tier "derzeit in Abständen von etwa drei bis vier Minuten, der Herzschlag ist regelmäßig, und das Tier zeigt Bewegungen" der Brustflossen.

"Ich sage: Wahrscheinlich lebt der Wahl länger, als man uns das vorher gesagt hat", sagte Backhaus am Samstag auf der Insel Poel mit Blick auf ein früheres Gutachten. "Das kann ich Ihnen hier heute sagen. Er sollte nämlich eigentlich schon tot sein. Das nehme ich zur Kenntnis."

Ch.Anderson--EWJ

Empfohlen

Nächster IPCC-Bericht: Chef des Weltklimarats drängt zu schneller Einigung bei Termin

Nach den vorerst gescheiterten Verhandlungen über den Zeitplan für den nächsten großen Sachstandsbericht strebt der Weltklimarat (IPCC) eine rasche Einigung an. Einen Konsens zu erzielen, sei "entscheidend", sagte der Chef des Weltklimarats, Jim Skea, am Montag. Das Gremium der Vereinten Nationen ist die maßgebliche Instanz für Klimawissenschaft.

Geld pro eingesparter Tonne CO2: Staatliche Förderung für Industrieinvestitionen

Das Bundeswirtschaftsministerium setzt 2027 das Förderprogramm für die energieintensive Industrie im Rahmen sogenannter CO2-Differenzverträge fort. Für 2026 sei das Interesse der Unternehmen sehr groß gewesen, es seien "substantiell" mehr Fördermittel als die zur Verfügung stehenden fünf Milliarden Euro beantragt worden, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium am Montag. Deshalb werde nun bereits das Verfahren für die nächste Vergaberunde im kommenden Jahr gestartet.

UN-Biodiversitätskonferenz in Eriwan zieht Zwischenbilanz bei Artenschutz-Zusagen

In der armenischen Hauptstadt Eriwan beginnt am Montag die 17. UN-Konferenz zur Umsetzung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD). Bei der sogenannten COP17 beraten Vertreter aus fast 200 Staaten zwei Wochen lang über Maßnahmen gegen den rasanten Rückgang der Biodiversität, die auch für den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielt. Das Treffen in Eriwan soll für eine erste Bestandsaufnahme des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal genutzt werden.

Heftige Zusammenstöße bei Protesttag in Frankreich - 166 Festnahmen

Begleitet von heftigen Zusammenstößen mit Sicherheitskräften sind in Frankreich am Samstag zehntausende Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem auf die Straße gegangen. Aus dem Umfeld von Innenminister Laurent Nuñez lagen am Mittag Zahlen vor, wonach an Kundgebungen und Protestaktionen außerhalb von Paris mehr als 32.000 Demonstrierende teilnahmen. In mehreren Städten gab es gewaltsame Auseinandersetzungen; bis zum Mittag wurden 166 Menschen festgenommen.

Textgröße ändern: