Ukraine nennt WM-Vergabe an Russland "skandalös"
Die Ukraine will gegen die Vergabe der Gewichtheber-Weltmeisterschaften 2030 an Moskau vorgehen. Sportminister Matwij Bidnyj kündigte am Montag an, offizielle Beschwerden beim Weltverband IWF sowie beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorzubereiten. Die Entscheidung pro Russland sei "zynisch" und "skandalös".
Bidny kritisierte die Vergabe scharf. "Solange Russland seinen Krieg gegen die Ukraine fortsetzt, ist es inakzeptabel, internationale Wettbewerbe auf seinem Territorium auszutragen", schrieb der Minister in den sozialen Medien. Zudem nannte er den Beschluss "besonders zynisch jetzt, da Russland am Vorabend des Winters die Angriffe auf ukrainische Städte und Energieinfrastruktur verstärkt, Menschen tötet und Europa bedroht".
Der Weltverband IWF hatte am Sonntag entschieden, dass die Wettkämpfe in vier Jahren in Moskau stattfinden werden. Der IWF ist damit der erste olympische Fachverband, der Russland seit 2022 wieder die Ausrichtung eines sportlichen Weltereignisses überträgt.
Die deutschen Gewichtheber hatten zurückhaltend auf die Vergabe reagiert, aber eine "kritische Auseinandersetzung" mit der Entscheidung angekündigt. "Dem BVDG ist bewusst, dass es sich um eine hochkomplexe Thematik handelt, die eine sorgfältige Prüfung und Abwägung erfordert. Gerade weil es sich um einen Präzedenzfall seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine handelt, bitten wir um Verständnis, dass eine fundierte Stellungnahme Zeit benötigt", teilte der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) auf SID-Anfrage mit.
Die Weltmeisterschaften 2030 dienen zudem als Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2032. Die Entscheidung des IWF ist wegweisend. Sie fällt in eine Zeit, in der das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen Weg aufgezeigt hat, wie russische Athleten wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen können.
Aufgrund des staatlich gelenkten Dopingprogramms, das laut der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi zum Einsatz kam, sowie des von Präsident Wladimir Putin 2022 begonnenen Angriffskriegs gegen die Ukraine durften russische Sportler bei internationalen Wettkämpfen nur unter verschiedenen Sonderstatus-Regelungen antreten. Zuletzt waren sie vereinzelt als "individuelle neutrale Athleten" dabei.
Ch.Anderson--EWJ