English Woman's Journal - Melatonin bei chronischen Schmerzen: Wirksame Ergänzung oder Platzhalter?

Melatonin bei chronischen Schmerzen: Wirksame Ergänzung oder Platzhalter?


Melatonin bei chronischen Schmerzen: Wirksame Ergänzung oder Platzhalter?
Melatonin bei chronischen Schmerzen: Wirksame Ergänzung oder Platzhalter?

Bei chronischen Schmerzen kann Schlafmangel den Leidensdruck massiv erhöhen. Der Schmerzmediziner Prof. Dr. Stefan Wirz setzt daher auf Melatonin, um den Teufelskreis aus Schmerz und Erschöpfung zu durchbrechen. Eine neue Metaanalyse zeigt jedoch Grenzen der Wirkung auf.

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Schlechter Schlaf verstärkt bei chronischen Schmerzen oft das Leiden. Für Patienten, die unter Nervenschmerzen, Polyneuropathie oder den Folgen eines Bandscheibenvorfalls leiden und kaum noch schlafen können, sieht der Schmerzmediziner Prof. Dr. Stefan Wirz im Schlafhormon Melatonin einen wichtigen Baustein der Behandlung. Der Chefarzt am Cura Krankenhaus Bad Honnef setzt das Hormon gezielt ein, um den Kreislauf aus Schmerzen, Schlafmangel und Dauerstress zu durchbrechen.

Die Bedeutung des Schlafs für die Schmerzwahrnehmung ist wissenschaftlich belegt. Wirz verweist auf eine Studie der Schmerzforscherin Emma Hertel, in der das Schmerzempfinden nach einer schlaflosen Nacht deutlich zunahm. Eine weitere Untersuchung identifizierte im Gehirn von Mäusen einen Schaltkreis, der Schmerzen bei Schlafmangel verstärken kann. „Schlaflosigkeit verstärkt den Schmerz massiv“, sagt Wirz zu BILD. Erst wenn Patienten nachts zur Ruhe kommen, hätten sie tagsüber die Kraft, aktiv an ihrer Genesung zu arbeiten, etwa durch Physiotherapie oder Training.

Darüber hinaus könnte Melatonin direkt auf die Schmerzverarbeitung wirken. Es bremse bestimmte Prozesse in Nervenzellen und könne dadurch die Weiterleitung von Schmerzreizen leicht verringern. Außerdem besitzt der Botenstoff entzündungshemmende Eigenschaften und unterstützt körpereigene Systeme zur Schmerzhemmung. In der stationären Therapie beginnt Wirz meist mit vier Milligramm Melatonin und steigert bei Bedarf auf acht bis zehn Milligramm. Ein Vorteil gegenüber Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Aspirin oder Diclofenac: Melatonin gilt als schonend für Magen, Herz und Nieren und macht nicht abhängig.

Eine aktuelle Metaanalyse mit 23 klinischen Studien und mehr als 2000 Teilnehmern zeigte, dass Menschen mit Rückenschmerzen, Arthrose oder Fibromyalgie ihren Ibuprofen-Verbrauch senken konnten. Die Autoren betonen jedoch, dass die beobachtete Schmerzreduktion häufig klinisch nicht relevant war und weitere Forschung notwendig ist. Für Wirz bleibt Melatonin deshalb kein Ersatz für Schmerzmittel, sondern ein unterstützender Bestandteil der Schmerztherapie bei chronisch Erkrankten.

O.Wood--EWJ

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