English Woman's Journal - Statistik von Medizinischem Dienst: Knapp 3100 Behandlungsfehler bestätigt

Statistik von Medizinischem Dienst: Knapp 3100 Behandlungsfehler bestätigt


Statistik von Medizinischem Dienst: Knapp 3100  Behandlungsfehler bestätigt
Statistik von Medizinischem Dienst: Knapp 3100 Behandlungsfehler bestätigt / Foto: FRANCOIS NASCIMBENI - AFP/Archiv

Deutschlandweit sind im vergangenen Jahr knapp 3100 medizinische Behandlungsfehler bestätigt worden. In 2700 Fällen waren die Fehler ursächlich für Schäden, wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten jährlichen Begutachtungsbericht des Medizinischen Diensts auf Bundes- und Länderebene hervorgeht. In 97 Fällen waren Fehler demnach ursächlich für den Tod eines Menschen oder trugen wesentlich dazu bei. Der Medizinische Dienst ging ferner davon aus, dass die Dunkelziffer insgesamt hoch ist.

Textgröße ändern:

Rund 150 Vorfälle aus dem vergangenen Jahr stuften die Gutachter als besonders schwerwiegend ein - in Fachkreisen werden solche Ereignisse auch als "never events" bezeichnet, die unbedingt zu vermeiden sind. Dazu zählen gravierende Medikationsfehler, im Körper vergessenes Operationsmaterial oder die Verwechslung von Patienten oder Körperseiten. Im Vorjahr 2024 hatte es 134 Fälle dieser Art gegeben.

Insgesamt untersuchten die Gutachter bundesweit rund 11.700 vermutete Behandlungsfehler, wo denen letztlich etwa ein Viertel oder 3098 als solche offiziell bestätigt wurden. Zwei Drittel der vermuteten Fälle bezogen sich den Angaben zufolge auf stationäre Behandlungen vor allem in Krankenhäusern, etwa ein Drittel entfiel auf den ambulanten Bereich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden in Deutschland im Jahr 2024 allein 17,5 Millionen Menschen stationär in Kliniken behandelt.

Fast 30 Prozent der Vorwürfe betrafen 2025 Behandlungen aus dem Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie, andere Fachkreise waren weit weniger vertreten. Rückschlüsse auf das Sicherheitsniveau lasse das aber nicht zu, betonte der Medizinische Dienst. Häufungen von Verdachtsmeldungen in einem Fachgebiet zeigten, dass Patienten auf Ergebnisse reagierten, die nicht ihren Erwartungen entsprächen. Bei chirurgischen Eingriffen seien Fehler für sie in der Regel leichter zu erkennen als in anderen Bereichen.

Weiterhin rechneten die Prüfer mit einer hohen Dunkelziffer. Allgemein gingen Wissenschaftler davon aus, dass es bei zwei bis vier Prozent aller stationären Behandlungen zu "vermeidbaren Schadensereignissen" komme. Übertragen auf Deutschland entspräche das einer Größenordnung von in etwa 350.000 bis 700.000 entsprechenden Vorfällen pro Jahr. Die Vermeidung von Behandlungsfehlern verhindere daher nicht nur unnötiges Leid, sondern vermeide auch erhebliche Folgekosten im Gesundheitssystem.

Der Medizinische Dienst verwies auf Schätzungen der Organisation OECD, wonach in hochentwickelten Staaten rund 15 Prozent der Kosten für die stationäre Patientenversorgung für die Folgen von vermeidbaren Fehler aufgewendet werden müssen. Übertragen auf die Krankenhausausgaben der gesetzlichen Kassen in Deutschland ergebe sich eine Größenordnung von 16,7 Milliarden Euro. "Mehr Patientensicherheit ist deshalb auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit unseres Gesundheitswesens", erklärte der Vorstandschef des Medizinischen Diensts Bund, Stefan Gronemeyer.

Zur besseren Fehlervermeidung forderten die medizinischen Gutachter die systematische Einführung von sanktionslosen Meldesystemen für schwere Schadenereignissen und eine gesetzliche Verpflichtung zur umgehenden Patienteninformation durch die behandelnden Ärzte bei entsprechenden Vorkommnissen. Das stärke nicht nur die Rechte der Betroffenen, sondern schaffe zusätzliche Anreize zur Fehleraufarbeitung und Fehlerprävention.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte mehr Transparenz durch die Einführung eines Zentralregisters für Behandlungsfehler. Bislang sei die Fehlerkultur im Gesundheitswesen immer noch unterentwickelt, sagte Vorstand Eugen Brysch der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er forderte außerdem einen Härtefallfonds für Geschädigte.

Der Medizinische Dienst ist eine ursprünglich von den Krankenkassen gemeinsam eingerichtete Beratungs- und Begutachtungsorganisation. Seit einigen Jahren ist er auf Bundes- und Länderebene als eigenständige Körperschaft öffentlichen Rechts organisiert. Neben dem Medizinischen Dienst veröffentlichen auch die Kassen sowie Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern Statistiken zur Zahl von Behandlungsfehlern. Auch diese stehen für mutmaßlich von Behandlungsfehlern Betroffene als Anlaufstellen bereit.

P.Munro--EWJ

Empfohlen

Regelmäßiger Alkoholkonsum junger Erwachsener erreicht historischen Tiefstand

Junge Menschen in Deutschland trinken nach neuen Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit deutlich seltener regelmäßig Alkohol als früher. Rauschtrinken bleibt insbesondere unter jungen Männern verbreitet.

Barmer-Analyse: Ohne bessere Patientensteuerung deutlich mehr Notfallbehandlungen

Ohne eine bessere Patientensteuerung könnte die Zahl ambulanter Notfallbehandlungen in Krankenhäusern laut einer Krankenkassenstudie bis zum Jahr 2040 von zuletzt 13 Millionen auf 15,7 Millionen steigen. Das wäre ein Zuwachs um rund 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024, wie aus einer Analyse des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung hervorgeht, die der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag vorlag.

Patientenschützer fordern Zusammenlegung von privaten und gesetzlichen Pflegekassen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat angesichts der Finanzprobleme der Pflegekassen die Zusammenlegung von gesetzlicher und privater Pflegeversicherung gefordert. "Es braucht jetzt mutige Entscheidungen in der schwarz-roten Koalition. Die Zusammenlegung der privaten und gesetzlichen Pflegeversicherung ist überfällig", sagte Vorstand Eugen Brysch der "Rheinischen Post" vom Mittwoch.

Krankenkasse: Deutlicher Anstieg bei Hautkrebspatienten

Die Zahl der an Hautkrebs erkrankten Menschen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Von 2014 bis 2024 erhöhte sich die Zahl der Behandlungen wegen der Diagnose schwarzer Hautkrebs um 28 Prozent, wie aus einer am Mittwoch in Hannover veröffentlichten Analyse der Krankenkasse KKH hervorgeht. Die Zahl der Betroffenen mit dem weniger gefährlichen weißen Hautkrebs stieg sogar um 45 Prozent an.

Textgröße ändern: