English Woman's Journal - Evakuierung von Kreuzfahrtschiff "Hondius" nach tödlichem Hantavirus-Ausbruch

Evakuierung von Kreuzfahrtschiff "Hondius" nach tödlichem Hantavirus-Ausbruch


Evakuierung von Kreuzfahrtschiff "Hondius" nach tödlichem Hantavirus-Ausbruch
Evakuierung von Kreuzfahrtschiff "Hondius" nach tödlichem Hantavirus-Ausbruch / Foto: JORGE GUERRERO - AFP

Knapp einen Monat nach dem ersten Todesfall durch einen Hantavirus-Ausbruch auf der "MV Hondius" hat am Sonntag vor der Kanareninsel Teneriffa die Evakuierung des Kreuzfahrtschiffs begonnen. Wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte, waren zuerst 14 spanische Passagiere und Besatzungsmitglieder dran. Danach folgen diejenigen, die mit einer niederländischen Maschine ausgeflogen werden. Darunter sind auch mehrere Deutsche sowie Menschen aus Belgien und Griechenland, wie die Spanische Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mitteilte.

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Nach dem Beginn der Evakuierungsaktion sahen Reporter der Nachrichtenagentur AFP eine erste Fünfer-Gruppe spanischer Passagiere auf einem kleineren Boot, das von der "Hondius" ablegte und in Richtung des kleinen Industriehafens in Granadilla de Abona im Süden von Teneriffa fuhr.

Am etwa zehn Minuten Fahrt entfernten Flughafen Teneriffa-Süd startete gegen Mittag zunächst ein Flugzeug mit den insgesamt 14 Spaniern: Sie sollten in einem Militärkrankenhaus in Madrid isoliert werden. Auch eine Maschine mit von Bord geholten Franzosen brach in Richtung Frankreich auf.

Am Hafenkai waren weiße Zelte aufgebaut. Polizisten, einige von ihnen in weißen Schutzanzügen, riegelten das Gebiet ab. Auch die Evakuierten trugen Schutzanzüge. Für sie standen Busse für die Fahrt zum Flughafen bereit.

An Bord der "Hondius" hatten sich zuletzt knapp 150 Menschen befunden, darunter nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin "eine mittlere einstellige Zahl" deutscher Staatsbürger. Laut einer früheren Liste der "Hondius"-Reederei Oceanwide Expeditions sind es sechs lebende Deutsche sowie die Leiche einer nach einer Hantavirus-Infektion verstorbenen Deutschen, die allerdings während der Weiterfahrt des Schiffes in die Niederlande an Bord bleibt.

In Teneriffa sollen alle Passagiere und ein Teil der Besatzung das Schiff verlassen. Außer dem niederländischen Flieger wurden für Sonntag laut García Gómez noch separate Flüge für Franzosen, Briten, Iren, Türken, US-Bürger und Kanadier organisiert. Der letzte Evakuierungsflug soll am Montag nach Australien starten. Nach Angaben der örtlichen Behörden muss die "Hondius" wegen schlechter Wetterbedingungen die Gewässer vor Teneriffa spätestens am Montag verlassen.

Auch wenn keiner der Menschen an Bord derzeit Symptome hat, gelten sie laut WHO als "Hochrisikokontakte", die angesichts der bis zu sechs Wochen langen Inkubationszeit des Hantavirus insgesamt 42 Tage lang beobachtet werden müssen. Zugleich betont die WHO, dass das Risiko für die Allgemeinbevölkerung "absolut gering" sei.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus machte die Evakuierung der "Hondius" zur Chefsache und reiste nach Teneriffa. In einem offenen Brief an die Menschen dort schrieb er mit Blick auf die Corona-Pandemie: "Das ist kein neues Covid." Die spanische Gesundheitsministerin betonte unmittelbar vor dem Beginn der Evakuierung vor Reportern, dass Mittarbeiter ihres Ministeriums die Passagiere trotz fehlender Symptome einer abschließenden medizinischen Untersuchung an Bord unterzogen hätten.

Auf Drängen der örtlichen Behörden lief die "Hondius" vorsichtshalber dennoch nicht in den kleinen Industriehafen Granadilla de Abona ein, sondern ankerte vor der Insel. Ein Teil der Besatzung soll an Bord bleiben und später mit dem Schiff in die Niederlande fahren.

Laut WHO wurde mittlerweile in sechs von acht Verdachtsfällen eine Infektion mit dem Andesvirus bestätigt, dem einzigen Hantavirusstamm, bei dem Übertragungen von Mensch zu Mensch nachgewiesen wurden. Gegen das Hantavirus, das schwere Atemwegserkrankungen verursachen kann, gibt es keine Impfung. Mit Medikamenten lassen sich nur die Symptome, aber nicht die Ursache bekämpfen.

Die "MV Hondius" war am 1. April in Ushuaia in Argentinien zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb nach Angaben von Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April mit anderen Passagieren auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Am 2. Mai starb auf dem Schiff eine Passagierin aus Deutschland.

Die WHO vermutet, dass sich der Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging. Nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums hatte er mit seiner Frau seit Ende November Argentinien, Chile und Uruguay bereist. In mehreren Herkunftsländern haben die Behörden die Suche nach möglichen Kontaktpersonen von "Hondius"-Passagieren eingeleitet. Eine Deutsche, die mit der später verstorbenen Deutschen Kontakt hatte und bereits vor ein paar Tagen von Bord geholt wurde, wurde im Universitätsklinikum Düsseldorf negativ auf das Hantavirus getestet.

K.Marshall--EWJ

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