English Woman's Journal - Fehlgeschlagene Hinrichtung von US-Todeskandidatin: Rufe nach Aus für Todesstrafe

Fehlgeschlagene Hinrichtung von US-Todeskandidatin: Rufe nach Aus für Todesstrafe


Fehlgeschlagene Hinrichtung von US-Todeskandidatin: Rufe nach Aus für Todesstrafe
Fehlgeschlagene Hinrichtung von US-Todeskandidatin: Rufe nach Aus für Todesstrafe / Foto: Handout - Tennessee Department of Correction/AFP

Nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung einer US-Todeskandidatin dringen Menschenrechtler auf die Abschaffung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten. Nach Amnesty International erklärte auch UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk am Donnerstag: "Die Todesstrafe hat in keiner Gesellschaft einen Platz." Türk forderte Gnade für die verurteilte Mörderin Christa Pike, die zwei Giftspritzen überlebt hatte.

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Türk erklärte im Onlinedienst X, der Fall der 50-jährigen Pike mache deutlich, warum die Todesstrafe abgeschafft gehöre. "Das anhaltende körperliche und seelische Leiden durch mehrere gescheiterte Hinrichtungsversuche ist verabscheuungswürdig und grausam", betonte der Österreicher.

Nach Angaben ihrer Anwälte wurde Pike nach der fehlgeschlagenen Exekution in einem Krankenhaus nahe der Haftanstalt in Nashville in Tennessee behandelt, in dessen Todestrakt sie drei Jahrzehnte lang einsaß. Ihr Zustand war unklar.

Sie sollte am Mittwochabend (Ortszeit) als erste Frau in dem Bundesstaat seit mehr als 200 Jahren hingerichtet werden - doch dabei lief nichts wie geplant. Mehrere Augenzeugen berichteten, dass Pike nach dem Verabreichen einer ersten Giftspritze weiter atmete. Danach wurde ihr eine zweite Spritze mit dem starken Schlafmittel Pentobarbital verabreicht, welches das Atemzentrum lähmen soll und das in Deutschland fast nur noch zum Einschläfern von Tieren verwendet wird.

Die Journalistin Kim Chandler von der Nachrichtenagentur Associated Press sagte dem Sender CBS News, dass Pike zu Beginn der versuchten Hinrichtung bei Bewusstsein war. "Irgendwann fragte sie die Vollzugsbeamten, ob sie sich denn so fühlen solle." Nachdem sich die Vorhänge der Todeskammer schlossen, sei zu hören gewesen, wie Pike "laut schnarchte".

Die Reporterin Catherine Sweeney vom Fernsehsender WPLN berichtete, sie habe von Pike "fast eine Stunde lang sehr laute Atemgeräusche" gehört. Die anwesenden Medienvertreter seien dann aufgefordert worden, den Bereich zu verlassen.

Pikes Anwälte kritisierten den Ablauf der Hinrichtung scharf. Zu den Problemen hätten "geplatzte Venen und minderwertiges Pentobarbital" gehört. Zudem sei nach dem Hinrichtungsversuch keine medizinische Notversorgung verfügbar gewesen.

Die US-Organisation Death Penalty Information Center (DPIC) bezeichnete Pikes Fall als "den schlimmsten", den sie je verzeichnet habe. Auch die Mutter von Pikes Opfer, May Martinez, äußerte sich: Die Hinrichtung sei "ein einziges Chaos" gewesen, sagte Martinez dem Sender NBC News . Der Gouverneur von Tennessee, der Republikaner Bill Lee, setzte den Vollzug von Todesstrafen bis zum Ende des Jahres aus und ordnete eine Untersuchung an. Er hatte eine Begnadigung Pikes vor wenigen Tagen zurückgewiesen.

Pikes Anwälte hatten danach vergeblich versucht, die Hinrichtung zu verzögern. Nur wenige Stunden vor Beginn entschied dann jedoch das Oberste US-Gericht in Washington, dass die Exekution stattfinden könne.

Der Fall Pike hat in den USA die Debatte um die Todesstrafe für junge Straftäter neu entfacht. Pike hatte 1995 gemeinsam mit ihrem Freund ihre 19-jährige Klassenkameradin Colleen Slemmer geschlagen und getötet und wurde deshalb wegen Mordes verurteilt. Der Fall erregte landesweites Aufsehen, weil Slemmers Leiche mit einem Pentagramm auf der Brust aufgefunden wurde, das als satanisches Zeichen gilt.

Pikes Anwälte forderten eine Begnadigung, weil sie die Tat im Alter von nur 18 Jahren beging und als Opfer langjährigen sexuellen Missbrauchs unter psychischen Problemen litt. Zudem führten die Verteidiger an, dass die Hinrichtung mit einer Giftspritze wegen einer Erkrankung der 50-Jährigen "unnötiges Leiden" verursachen werde.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, Pikes Fall zeige abermals, "dass es keine humane Hinrichtungsmethode gibt". Die Todesstrafe müsse überall abgeschafft werden, forderte die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow.

UN-Menschenrechtskommissar Türk zeigte sich grundsätzlich "besorgt über den Anstieg der Hinrichtungen" in den USA. Deren Zahl ist seit dem erneuten Amtsantritt von Präsident Donald Trump Anfang 2025 sprunghaft gestiegen. Der Rechtspopulist hatte dazu aufgerufen, die Kapitalstrafe häufiger zu verhängen.

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Death Penalty Information Center in den USA 47 Menschen hingerichtet, der höchste Stand seit 2009. In diesem Jahr waren es bereits 28. Von den Bundesstaaten vollstrecken noch 27 die Todesstrafe, 23 haben sie abgeschafft.

N.Macleod--EWJ

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