English Woman's Journal - US-Todeskandidatin Pike wird nach gescheiterter Hinrichtung im Krankenhaus behandelt

US-Todeskandidatin Pike wird nach gescheiterter Hinrichtung im Krankenhaus behandelt


US-Todeskandidatin Pike wird nach gescheiterter Hinrichtung im Krankenhaus behandelt
US-Todeskandidatin Pike wird nach gescheiterter Hinrichtung im Krankenhaus behandelt / Foto: Handout - Tennessee Department of Correction/AFP

Nachdem die im US-Bundesstaat Tennessee zum Tode verurteilte Mörderin Christa Pike am Mittwoch (Ortszeit) zwei Hinrichtungsversuche überlebt hat, wird die 50-Jährige nach Angaben ihrer Anwälte in einem Krankenhaus behandelt. Ihr Zustand sei ihnen nicht mitgeteilt worden, teilten Pikes Verteidiger mit. Der Gouverneur von Tennessee setzte den Vollzug von Todesstrafen bis zum Ende aus und ordnete eine Untersuchung an. Die Organisation Death Penalty Information Center (DPIC) bezeichnete Pikes Fall als "den schlimmsten", den sie je verzeichnet habe.

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Mehrere Augenzeugen berichteten, dass Pike nach dem Verabreichen einer Giftspritze weiter atmete. "Es sieht so aus, als sei das nicht so abgelaufen, wie es hätte ablaufen sollen", sagte der Journalist John North vom Sender WBIR, der bei der Exekution als Zeuge zugegen war. "Als wir das Gebäude verließen, war sie, so weit wir wissen, vermutlich noch am Leben", fügte er hinzu.

Eine Journalistin der Nachrichtenagentur Associated Press, Kim Chandler, sagte dem Sender CBS News, dass Pike zu Beginn der versuchten Hinrichtung noch bei Bewusstsein war. "Irgendwann fragte sie die Vollzugsbeamten, ob sie sich denn so fühlen solle." Nachdem sich die Vorhänge der Todeskammer schlossen, sei zu hören gewesen, wie Pike "laut schnarchte" und "eindeutig sehr lebendig" gewesen sei. Die anwesenden Medienvertreter seien dann aufgefordert worden, den Bereich zu verlassen.

Nur wenige Stunden vor Beginn der Hinrichtung hatte das Oberste Gericht der USA die Anordnung eines Berufungsgerichts vom 30. September aufgehoben, die Pikes Exekution kurzfristig ausgesetzt hatte, um die Argumente für und gegen die Todesstrafe noch einmal zu prüfen. Die drei liberalen Richterinnen des Supreme Court widersprachen dem Urteil. Die Entscheidung verhindere unnötigerweise, dass eine untergeordnetes Instanz Pikes Fall angemessen prüfen könne, schrieben sie.

Der Fall hatte eine Debatte um die Todesstrafe für jugendliche Straftäter neu entfacht. Pike hatte 1995 gemeinsam mit ihrem Freund ihre 19-jährige Klassenkameradin Colleen Slemmer geschlagen und getötet und wurde deshalb wegen Mordes verurteilt. Der Fall erregte landesweites Aufsehen, weil Slemmers Leiche mit einem Pentagramm auf der Brust aufgefunden wurde, das als satanisches Zeichen gilt.

Pikes Anwälte forderten eine Begnadigung, weil sie die Tat im Alter von nur 18 Jahren beging und als Opfer langjährigen sexuellen Missbrauchs unter psychischen Problemen litt. Zudem hatten sie angeführt, dass wegen einer Blutkrankheit die Hinrichtung mit einer Giftspritze "unnötiges Leiden" verursachen würde. Nach der gescheiterten Hinrichtung erklärten sie, sie würden "keine Befriedigung aus dem Umstand ziehen", dass sie Recht gehabt hätten.

Der Leiter des auf die Dokumentation von Todesstrafen spezialisierten Informationszentrums DPIC, Robin Maher, sagte der New York Times, Pikes Fall sei anders als alle anderen gescheiterten Hinrichtungen in der modernen Zeit. "Es gibt keinen Präzedenzfall." Die Justizvollzugsbehörden von Tennessee erklärten, sie hätten "jeden Schritt des legalen, festgelegten Hinrichtungsprotokolls des Staates" befolgt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, Pikes Fall zeige abermals, "dass es keine humane Hinrichtungsmethode gibt." Die Todesstrafe müsse überall abgeschafft werden, forderte die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow.

Der republikanische Gouverneur des Bundesstaates, Bill Lee, ordnete nach Pikes fehlgeschlagener Exekution eine "umfassende, unabhängige" Untersuchung an. Die noch in diesem Jahr angesetzte Hinrichtung werde nicht vollstreckt werden. Die Umsetzung einer rechtmäßig verhängten Strafe gehöre zu den wichtigsten Verantwortungen des Staates, erklärte er. Die Bürger erwarteten, dass dies in einer "effizienten" Weise geschehe.

Am 3. Dezember sollte der verurteilte Mörder Gary Wayne Sutton getötet werden. Erst im Mai war in Tennessee eine Hinrichtung mit einer Giftspritze gescheitert, als das medizinischen Personal keine Vene des Verurteilten punktieren konnte.

In den Vereinigten Staaten wurden seit Wiederzulassung der Todesstrafe im Jahr 1976 nach Angaben des Informationszentrums DPIC insgesamt 18 Frauen hingerichtet. Pikes Exekution wäre die erste Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen.

E.Brwon--EWJ

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