English Woman's Journal - Proteste gegen Sparpläne und Missstände an Schulen erschüttern Frankreich

Proteste gegen Sparpläne und Missstände an Schulen erschüttern Frankreich


Proteste gegen Sparpläne und Missstände an Schulen erschüttern Frankreich
Proteste gegen Sparpläne und Missstände an Schulen erschüttern Frankreich / Foto: Thomas SAMSON - AFP

Wenige Tage vor der geplanten Vorstellung des Haushaltsplans mit milliardenschweren Einsparungen haben in Frankreich tausende Menschen für höhere Löhne im öffentlichen Dienst demonstriert. Der Gewerkschaftsbund gab die Zahl der landesweit Protestierenden am Dienstag mit mehr als 300.000 an; die Regierung ging von rund 200.000 Teilnehmern aus. Unabhängig davon erschütterten teils gewaltsame Schülerproteste das Land, bei denen Schulen blockiert und Polizisten attackiert wurden.

Textgröße ändern:

Zu den Demonstrationen für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten im öffentlichen Dienst hatten mehrere Gewerkschaften aufgerufen; landesweit waren für den Protesttag 170 Kundgebungen angemeldet. Der Gewerkschaftsbund CGT gab die Zahl der Teilnehmer mit mehr als 300.000 an, darunter 70.000 in der Hauptstadt Paris. Die französische Polizei sprach dagegen von 30.000 Demonstranten in Paris, unter ihnen 8000 Feuerwehrleute. Dem Innenministerium zufolge gab es landesweit 206.000 Teilnehmer.

Weitere Protestkundgebungen gab es in Marseille, wo CGT zufolge 30.000 Menschen auf die Straße gingen. Dort gab die Polizei die Zahl der Teilnehmenden mit 3800 an. Auch in Toulouse, Lille, Bordeaux, Lyon, Nantes und Orléans gab es größere Proteste.

Die Gewerkschaften verweisen darauf, dass die Gehälter im öffentlichen Dienst seit 2017 um nur fünf Prozent gestiegen sind - bei rund 24 Prozent Inflation. "Wir kommen gerade so über die Runden", sagte der 39-jährige Florian, der in Marseille für höhere Löhne auf die Straße ging. "Man kann seinen Job zwar gut machen, aber ein Aufstieg ist unmöglich", fügte er hinzu.

Nach Angaben des Bildungsministeriums beteiligten sich etwa 14 Prozent der Lehrer an den Streiks, bei Grundschullehrern waren es 40 Prozent. Ein Lehrer verdient in Frankreich zu Beginn seiner Karriere etwa 2100 Euro, erst nach etwa 30 Berufsjahren steigt das Gehalt deutlich an.

Die Regierung will in Kürze ihren Haushaltsplan für das kommende Jahr vorstellen, in dem nach Angaben von Premierminister Sébastien Lecornu Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro geplant sind. Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst befürchten, die Leidtragenden des Sparkurses zu sein.

Unabhängig davon weiteten sich die teils gewaltsamen Proteste von Oberschülern gegen schlecht ausgestattete Gebäude und lange Schultage aus. Nach Angaben des Bildungsministeriums waren am Dienstag landesweit 400 Schulen von den Protesten betroffen. 40 Schulen wurden demnach blockiert, bei 44 weiteren gab es Blockadeversuche. 40 Menschen wurden festgenommen und zehn Menschen verletzt.

Die Schülerbewegung war vor einigen Tagen im Großraum Paris entstanden und hatte sich schnell auf andere Landesteile ausgeweitet. Schülergewerkschaften hatten dann für Dienstag analog zu den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zu einem Aktionstag aufgerufen.

Die Region Ile-de-France schätzte die Schäden bei den Schülerprotesten auf etwa 200.000 Euro; 75 Bildungseinrichtungen seien betroffen gewesen. In Lyon wurden Polizisten mit Wurfgeschossen und Feuerwerkskörpern beworfen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Vor einer Oberschule in Lille wurden Bushaltestellen und Werbetafeln beschädigt. Flaschen und Pflastersteine flogen in Richtung der Polizei. Weitere Zusammenstöße wurden aus Marseille, Lyon und Bordeaux gemeldet.

Auch Studierende mehrerer Universitäten beteiligten sich an den Protesten, etwa in Paris, Toulouse und Nizza. Die linkspopulistische Partei La France Insoumise unterstützt die Proteste ebenfalls. Die Schüler wenden sich gegen zahlreiche Missstände, darunter ungünstige Stundenpläne, zu große Klassen, Lehrermangel, lange Schultage und überhitzte Klassenzimmer.

"Wir, die Kinder der Vororte, fühlen uns im Stich gelassen und vernachlässigt", sagte die 16-jährige Victoire in einer Vorstadt von Paris. An ihrer Schule herrschten "unhygienische Zustände", fügte sie hinzu. An der Lamartine-Schule in Paris riefen die Schüler: "Von acht bis 18.00 Uhr: Sind wir Schüler oder inhaftiert?!"

E.Brwon--EWJ

Empfohlen

Australische Abgeordnete nach mutmaßlichem Angriff weiter in kritischem Zustand

Die bei einem mutmaßlichen Angriff lebensgefährlich verletzte australische Abgeordnete Helen Haines befindet sich nach Regierungsangaben weiter in einem kritischen Zustand. Die 65-Jährige sei operiert worden und sei weiterhin im Krankenhaus, sagte Premierminister Anthony Albanese am Dienstag im Fernsehen. Er habe mit ihrem Mann Phil gesprochen. Die Gedanken "aller Australier" seien bei der Familie und den Freunden der parteilosen Abgeordneten, fügte er hinzu.

Papst Leo XIV. spricht nach Telefonat mit Putin auch mit Selenskyj

Wenige Tage nach seinem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hat Papst Leo XIV. am Montag auch mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj gesprochen. "Der Heilige Vater erinnerte an die ernste Lage in der Stadt Oleschky in der Region Cherson und bezog sich auf seine Bitte um eine humanitäre Waffenruhe, die er dem Präsidenten der Russischen Föderation unterbreitet hatte", teilte der Vatikan mit.

Nächtliche Ausgangssperren in Paris und anderen französischen Städten verfügt

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich haben erste Städte nächtliche Ausgangssperren verhängt. Diese sollten unter anderem in einigen Vierteln von Paris von Montagabend 23.00 Uhr bis Dienstagmorgen 6.00 Uhr gelten, wie die Polizeipräfektur der Hauptstadt ankündigte. Bereits ab 20.00 Uhr gelte in den Brennpunkten der Ausschreitungen vom Wochenende ein Demonstrationsverbot.

Erste französische Städte verhängen nächtliche Ausgangssperren

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich haben erste Städte nächtliche Ausgangssperren verhängt. Wie das Büro von Premierminister Sébastien Lecornu mitteilte, gelten diese unter anderem in der nördlichen Großstadt Lille von Montagabend um 20.00 Uhr bis Dienstagmorgen um 6.00 Uhr. Weitere Kommunen in der Region verhängten ähnliche Maßnahmen. Laut Lecornu sollen durch die lokalen Ausgangssperren Geschäfte vor Plünderungen geschützt werden.

Textgröße ändern: