English Woman's Journal - Betreiber: Akw Saporischschja "komplett" vom ukrainischen Stromnetz getrennt

Betreiber: Akw Saporischschja "komplett" vom ukrainischen Stromnetz getrennt


Betreiber: Akw Saporischschja "komplett" vom ukrainischen Stromnetz getrennt
Betreiber: Akw Saporischschja "komplett" vom ukrainischen Stromnetz getrennt / Foto: Ed JONES - AFP/Archiv

Das von der russischen Armee kontrollierte Atomkraftwerk in Saporischschja ist nach Angaben des Betreibers am Donnerstag vollständig vom ukrainischen Stromnetz abgeschnitten worden. Wie die ukrainische Betreibergesellschaft Energoatom mitteilte, wurden die zwei zuletzt noch arbeitenden Reaktoren des größten Akw Europas "komplett" vom Netz gekappt. In den vergangenen Wochen war die Gegend der Nuklearanlage wiederholt beschossen worden, was Ängste vor einer Atomkatastrophe ähnlich wie 1986 in Tschernobyl ausgelöst hatte.

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Es sei "das erste Mal in der Geschichte der Anlage", dass das Akw Saporischschja komplett vom ukrainischen Stromnetz abgeschnitten sei, erklärte Energoatom im Onlinedienst Telegram. Als Ursache nannte die staatliche Betreibergesellschaft unter Bezug auf die russischen Truppen "Handlungen der Invasoren".

Durch Brände in Aschegruben in einem angrenzenden Wärmekraftwerk sei die letzte noch verbliebene Anschlussleitung zwischen dem Akw und dem ukrainischen Stromnetz unterbrochen worden, teilte Energoatom mit. Drei weitere Leitungen seien bereits zuvor "durch terroristische Angriffe" der russischen Seite beschädigt worden. Es werde derzeit versucht, zumindest einen Reaktor wieder ans Netz zu bringen. Ukrainische Techniker arbeiten in Saporischschja unter russischer Kontrolle.

Die Stromversorgung des Akw selbst sei über das Wärmekraftwerk weiterhin gewährleistet, erklärte das ukrainische Energieunternehmen. Die permanente Stromversorgung ist nach Angaben von Experten für die Sicherheit von Atomkraftwerken essenziell - auch im ausgeschalteten Zustand, denn auch dann müssen diese Anlagen gekühlt werden.

Vor dem russischen Angriffskrieg hatte das Akw Saporischschja etwa ein Fünftel des ukrainischen Stroms erzeugt. In der Anlage stehen sechs Reaktoren, die laut Energoatom zwischen 1984 und 1995 in Betrieb genommen wurden. Das Akw wurde von den russischen Truppen am 4. März eingenommen, also nur acht Tage nach Beginn der Invasion.

Während des Beschusses in den vergangenen Wochen - für den sich die Ukraine und Russland gegenseitig verantwortlich machen - wurden Teile der Nuklearanlage beschädigt. Einer der drei zu diesem Zeitpunkt noch in Betrieb stehenden Reaktoren musste deshalb nach ukrainischen Angaben abgeschaltet werden.

Das Akw befindet sich nicht weit von der im Jahr 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim entfernt. Energoatom vermutet deshalb, dass Russland Saporischschja an das Stromnetz der Krim anschließen will.

Die Ukraine wirft Russland zudem vor, schwere Waffen auf dem Akw-Gelände zu lagern und dieses als Basis für Angriffe auf ukrainische Stellungen zu benutzen. Moskau bestreitet dies und versichert, die in der Nuklearanlage stationierten Soldaten seien lediglich für die Absicherung des Akw zuständig.

UN-Generalsekretär António Guterres fordert die Einrichtung einer entmilitarisierten Zone rund um das Akw Saporischschja. Bei einem Besuch in der Ukraine in der vergangenen Woche hatte er an Russland appelliert, die Anlage nicht vom ukrainischen Stromnetz zu trennen.

A.Wallace--EWJ

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