English Woman's Journal - Brot für die Welt: Zivilgesellschaft in immer mehr Staaten eingeschränkt

Brot für die Welt: Zivilgesellschaft in immer mehr Staaten eingeschränkt


Brot für die Welt: Zivilgesellschaft in immer mehr Staaten eingeschränkt
Brot für die Welt: Zivilgesellschaft in immer mehr Staaten eingeschränkt / Foto: RALF HIRSCHBERGER - AFP/Archiv

Nur 3,4 Prozent der Weltbevölkerung und damit 277 Millionen Menschen leben in Ländern, in denen Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit umfassend garantiert sind. Zu diesem Ergebnis kommt der am Montag veröffentlichte neunte Atlas der Zivilgesellschaft von Brot für die Welt. Über 70 Prozent aller Menschen leben hingegen in Staaten, in denen der zivilgesellschaftliche Raum unterdrückt oder vollständig geschlossen ist. Auch in Deutschland hat sich die Lage verschlechtert.

Textgröße ändern:

Der jährlich von Brot für die Welt herausgegebene Bericht bewertet den weltweiten Stand der Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Die Organisation nutzt dafür Daten von Civicus, einem weltweiten Netzwerk für bürgerschaftliches Engagement. Dieses unterteilt die Freiheitsgrade einer Gesellschaft in fünf Kategorien: "offen", "beeinträchtigt", "beschränkt", "unterdrückt" und "geschlossen".

Knapp 73 Prozent der Weltbevölkerung und damit fast sechs Milliarden Menschen leben demnach in Staaten, in denen der Handlungsraum der Zivilgesellschaft als "unterdrückt" oder "geschlossen" bewertet wird. Aktivistinnen und Aktivisten werden in diesen Ländern schikaniert, inhaftiert oder sogar getötet. Die Medien werden kontrolliert oder zensiert.

Insgesamt 82 Länder wie Russland oder China stuft der Bericht so ein - zwei mehr als noch 2025. In weiteren 39 Staaten - vier mehr als im Vorjahr - bewertet Brot für die Welt die Grundrechte als "beschränkt", hier werden zivilgesellschaftliche Organisationen überwacht und Versammlungen oft gewaltsam aufgelöst. Unter diese Kategorie fallen Länder wie Brasilien, Südafrika und Indonesien.

Auf "beschränkt" runtergestuft wurden aber auch Deutschland, Italien, Frankreich, die Schweiz und die USA. Ein zentraler Grund für die schlechtere Bewertung Deutschlands ist demnach das Vorgehen deutscher Behörden im Zusammenhang mit Protesten gegen den Krieg im Gazastreifen.

In 37 Staaten wird die Zivilgesellschaft als "beeinträchtigt" gesehen. Hier können die Menschen demnach ihre Vereinigungs-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit weitgehend ausüben, es gibt jedoch teils Einschränkungen. Australien, Südkorea und Spanien werden beispielsweise so eingestuft.

Eine "offene" Zivilgesellschaft mit gewährleisteten Grundrechten herrscht laut Bericht nur in 39 Staaten und damit 3,4 Prozent der Weltbevölkerung. Dies gilt demnach unter anderem für Kanada, Neuseeland, Japan, Norwegen, Schweden und Portugal.

"Die große Mehrheit der Menschen auf dieser Welt kann ihre Stimme nicht frei erheben – oder tut es unter erheblichen Risiken", erklärte zum Bericht die Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin. "Die Freiheit der Zivilgesellschaft ist weltweit in der Defensive – und sie schrumpft weiter."

Pruin macht dafür auch Desinformation verantwortlich, die zivilgesellschaftliches Engagement als illegitim darstelle. Sie fordert deshalb "eine widerstandsfähige Informationsgesellschaft, die Desinformation wirksam begegnet".

K.Marshall--EWJ

Empfohlen

"Rückkehr zur Ruhe": Demonstrationsverbote und weitere Einschränkungen in Frankreich

Mit Demonstrationsverboten und der Einschränkung geplanter Proteste am Samstag will Frankreich Ausschreitungen wie am vergangenen Wochenende verhindern. Oberstes Ziel sei eine "Rückkehr zur Ruhe", sagte Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag. Er kündigte neue Ausgangssperren an; zudem dürften nur von Gewerkschaften organisierte Kundgebungen stattfinden, sagte er. Die Gelbwesten-Bewegung, die zu den Organisatoren der Proteste zählt, kündigte ihren Widerstand an. In Paris bleiben der Louvre und andere Museen am Samstag geschlossen.

Vom IS im Niger entführte Schweizerin und Österreicherin zurück in der Heimat

2025 wurden sie im Niger von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) entführt - nun sind die Schweizerin Claudia Abt und die Österreicherin Eva Gretzmacher freigelassen worden und in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Die 69-jährige Schweizerin landete am Donnerstag am Flughafen Belp nahe Bern, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das österreichische Außenministerium bestätigte die Landung der 76-jährigen Gretzmacher in Wien.

Justizminister: 217 Menschen nach Protesten am Wochenende in Frankreich inhaftiert

Nach den landesweiten Ausschreitungen am vergangenen Wochenende in Frankreich sind nach Regierungsangaben 217 Menschen inhaftiert worden. "Es handelt sich im Allgemeinen um Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die zum größten Teil den Justizbehörden nicht bekannt sind", sagte der französische Justizminister Gérald Darmanin am Donnerstag vor der Justizvollzugsanstalt in Fleury-Mérogis im Département Essonne.

Keine Angriffe nach PHP-Sicherheitslücke festgestellt - Debatte um IT-Sicherheit

Nach der Warnung vor schwerwiegenden Sicherheitslücken in der Programmiersprache PHP sind bislang keine erfolgreichen Cyberangriffe festgestellt worden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe bislang keine Fälle festgestellt, in denen die Sicherheitslücken ausgenutzt wurde, erklärte die IT-Sicherheitsbehörde am Donnerstag. "Dennoch können erfolgreiche Angriffe derzeit nicht ausgeschlossen werden." Experten warnten zudem, dass Unternehmen oft nicht wüssten, wo PHP bei ihnen zum Einsatz komme.

Textgröße ändern: