English Woman's Journal - Amokfahrt in Leipzig: Beschuldigter in Psychiatrie eingewiesen

Amokfahrt in Leipzig: Beschuldigter in Psychiatrie eingewiesen


Amokfahrt in Leipzig: Beschuldigter in Psychiatrie eingewiesen
Amokfahrt in Leipzig: Beschuldigter in Psychiatrie eingewiesen / Foto: Jens SCHLÜTER - AFP

Nach der tödlichen Amokfahrt in Leipzig ist der Beschuldigte in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht worden. Der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Leipzig gehe davon aus, dass der 33-Jährige die Tat "im Zustand der zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit begangen hat", wie die Staatsanwaltschaft Leipzig am Dienstag mitteilte. Gegen den Mann wurde Unterbringungsbefehl wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in vier Fällen sowie gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erlassen.

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Nach Angaben der Behörden war der 33-Jährige bis vor kurzem freiwillig in der Psychiatrie. Auch ist er bereits polizeibekannt. Die erneute Unterbringung in der Psychiatrie sei mit Blick auf die öffentliche Sicherheit nötig, erklärte die Staatsanwaltschaft weiter. Denn es sei "wahrscheinlich", dass der Beschuldigte aufgrund seines Zustandes "weitere rechtswidrige Taten vergleichbarer Schwere begehen wird".

Der 33-Jährige habe mit seinem Fahrzeug in Tötungsabsicht gehandelt und "möglichst viele Menschen töten und schwer verletzen" wollen, hieß es weiter von Seiten der Anklagebehörde. Die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe seien erfüllt.

Der Ermittlungsrichter sieht die Unterbringung in der Psychiatrie aufgrund der bisherigen Ermittlungen und fachärztlichen Stellungnahmen derzeit als gerechtfertigt an. Ob dies auch weiterhin gelte, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen und einer forensisch-psychiatrischen Begutachtung. Der Unterbringungsbefehl könne jederzeit in einen Haftbefehl umgewandelt werden.

Der in Leipzig wohnhafte Mann war am Montagnachmittag in der Innenstadt von Leipzig mit einem Auto durch eine belebte Fußgängerzone gerast. Er erfasste mehrere Menschen, eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann starben. Sechs weitere Menschen im Alter von 21 bis 87 Jahren wurden nach Ermittlerangaben verletzt, zwei von ihnen schwer - ein 75 Jahre alter Mann und eine 84 Jahre alte Frau. Alle seien inzwischen außer Lebensgefahr.

Das Motiv des Mannes war weiter unklar. Den Ermittlern zufolge gab es keine Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund.

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft trat der Tatverdächtige in diesem Jahr "bereits polizeilich wegen Bedrohung sowie ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld in Erscheinung". Am 17. April habe es einen Polizeieinsatz aufgrund eines Anrufs des 33-Jährigen gegeben, in dessen Folge der Mann wegen seines psychischen Zustands und mit seiner Zustimmung in einem psychiatrischen Krankenhaus aufgenommen worden und dort bis zum Mittwoch vergangener Woche behandelt worden sei.

Wie das sächsische Sozialministerium in Dresden mitteilte, verließ der Mann die Klinik auf eigenen Wunsch. Es lagen demnach "keine medizinischen Gründe vor", den Patienten am Verlassen der Klinik zu hindern. "Sonstige Ermittlungs- und Strafverfahren sind gegen den Beschuldigten bei der Staatsanwaltschaft derzeit nicht anhängig", erklärten die Ermittler. Er sei auch nicht vorbestraft.

Durch die Tat wurden Schutzmaßnahmen in den Städten erneut zum Thema. Als erste Maßnahme kündigte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhardt Jung (SPD) an, am Mittwoch die Einfahrt zu der Fußgängerzone, durch die der Täter mit seinem Auto gerast war, durch massive Elemente abzuriegeln. An anderen Stellen ist die Einkaufsstraße durch absenkbare Poller gesichert.

Jung sagte, die Behörden würden sich das Zufahrtskonzept für die Innenstadt "sehr genau" anschauen und prüfen, wo der Schutz verbessert werden könnte. "Klar ist aber auch: Wir können die Innenstädte nicht zu Festungen umbauen", erklärte der Oberbürgermeister, der auch Präsident des Deutschen Städtetags ist.

An zahlreichen Orten in der Leipziger Innenstadt legten am Dienstag Menschen Blumen und Kerzen ab. Neben Jung gedachte auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auf dem Augustusplatz der Opfer. Kretschmer sprach von einer "schrecklichen Tat". "Jetzt geht es darum, das Ganze aufzuarbeiten." Im Rathaus lag zudem ein Kondolenzbuch aus. Die Flaggen vor dem Neuen Leipziger Rathaus und auf Anordnung der Landesregierung auch an allen Behördengebäuden in Sachsen wehten auf Halbmast.

Jung sagte bei einer ökumenischen Gedenkandacht in der Nikolaikirche: "Heute ist der Tag der Trauer, der Tag des Innehaltens." "Die Wunden, die dieser Tag gestern geschlagen hat, werden nicht schnell heilen", betonte der Oberbürgermeister. Leipzig sei aber eine Stadt, die zusammenstehe.

Auf Antrag der Landesregierung wird sich der Innenausschuss des Landtags am Freitag in einer Sondersitzung mit der Amokfahrt in Leipzig befassen.

E.Brwon--EWJ

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