English Woman's Journal - Australischer Ex-Soldat soll Kriegsverbrechen in Afghanistan begangen haben

Australischer Ex-Soldat soll Kriegsverbrechen in Afghanistan begangen haben


Australischer Ex-Soldat soll Kriegsverbrechen in Afghanistan begangen haben
Australischer Ex-Soldat soll Kriegsverbrechen in Afghanistan begangen haben / Foto: Saeed KHAN - AFP/Archiv

Einer der höchstdekorierten Soldaten Australiens ist Polizeiangaben zufolge wegen mutmaßlicher in Afghanistan begangener Kriegsverbrechen festgenommen worden. Der 47-Jährige sei mit einer Reihe von Morden in Verbindung gebracht worden, die zwischen 2009 und 2012 während seines Afghanistan-Einsatzes begangen wurden, erklärte die australische Polizeipräsidentin Krissy Barrett am Dienstag. Von der Nachrichtenagentur AFP eingesehenen Gerichtsdokumenten zufolge werden dem Ex-Soldaten Ben Roberts-Smith fünf Fälle zur Last gelegt.

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Die Opfer des australischen Soldaten hätten "zum Zeitpunkt ihrer mutmaßlichen Ermordung in Afghanistan nicht an Kampfhandlungen" teilgenommen, sagte Barrett vor Journalisten. Die Opfer seien "mutmaßlich von dem Beschuldigten erschossen worden oder von ihm unterstellten Soldaten, die auf seinen Befehl hin gehandelt haben".

Zu den ihm angelasteten Punkten gehören den Gerichtsakten zufolge eine "tatsächliche Straftat", eine "gemeinsame Begehung einer Straftat" sowie drei Fälle der Beihilfe zum Mord. Sollte Roberts-Smith für schuldig befunden werden, droht ihm eine Höchststrafe von lebenslanger Haft. Er wurde am Dienstag an einem Flughafen in Sydney festgenommen.

Als ehemaliges Mitglied des Special Air Service Regiment galt Roberts-Smith als Legende. Der auffallend groß gewachsene Soldat wurde landesweit bekannt, als ihm 2011 das Victoria-Kreuz verliehen wurde - die nur für die heldenhaftesten Taten im Krieg vergebene höchste militärische Auszeichnung des Landes.

Auch weitere Ehren wurden dem Afghanistan-Veteranen zuteil: Er durfte Queen Elizabeth II. treffen und sein Porträt zierte das nationale Kriegsmuseum. Sogar zu Australiens "Vater des Jahres" wurde er gekürt.

Doch der Ruf des hochdekorierten Veteranen wurde 2018 schwer beschädigt, als mehrere Medienberichte ihn erstmals mit der Ermordung unbewaffneter afghanischer Gefangener durch australische Soldaten in Verbindung brachten. So soll er einen unbewaffneten afghanischen Zivilisten von einer Klippe gestoßen und seinen Untergebenen befohlen haben, ihn zu erschießen, berichteten die Zeitungen "The Age" und "The Sydney Morning Herald".

Weiter wurde berichtet, Roberts-Smith habe an der Erschießung eines Mannes mit einer Prothese teilgenommen. Demnach verwendete er die Prothese später gemeinsam mit anderen Soldaten als Trinkgefäß.

Roberts-Smith beteuerte stets seine Unschuld. Er strengte zudem eine millionenschwere Klage gegen die Medien an, die zuerst über die Vorwürfe berichtet hatten. Doch 2023 erlitten seine Versuche, "The Age" und "The Sydney Morning Herald" wegen Verleumdung zu verklagen einen Rückschlag, nachdem ein Richter viele der vorgebrachten Vorwürfe als "im Wesentlichen wahr" eingestuft hatte.

Australien entsandte nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 rund 39.000 Soldaten nach Afghanistan, um an der Seite der US-Truppen und ihrer Verbündeten gegen die radikalislamischen Taliban, das Terrornetzwerk Al-Kaida und andere islamistische Gruppen zu kämpfen. Seit der Rückkehr der australischen Soldaten wurden eine Reihe von Berichten veröffentlicht, die insbesondere Spezialeinheiten der Armee ein oftmals brutales Verhalten vorwerfen.

So war ein wegweisender Militärbericht von 2020 zu dem Schluss gekommen, dass Angehörige der Spezialkräfte 39 afghanische Zivilisten und Gefangene "rechtswidrig getötet" hatten. Die Untersuchung deckte unter anderem Vorwürfe von außergerichtlichen Hinrichtungen, Folter und Wettbewerbe zur "Zahl der getöteten Gegner" durch australische Kräfte auf.

Allerdings wurde das juristische Vorgehen zu den mutmaßlichen Verbrechen durch die Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 erschwert. Auch der Mangel an aussagewilligen Zeugen bremste die Ermittlungen aus.

Ch.Reilly--EWJ

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