English Woman's Journal - Papst Franziskus spricht nach Kanada-Reise von "Völkermord" an Indigenen

Papst Franziskus spricht nach Kanada-Reise von "Völkermord" an Indigenen


Papst Franziskus spricht nach Kanada-Reise von "Völkermord" an Indigenen
Papst Franziskus spricht nach Kanada-Reise von "Völkermord" an Indigenen / Foto: GUGLIELMO MANGIAPANE - POOL/AFP

Nach seiner Reise nach Kanada hat Papst Franziskus den Umgang mit Indigenen in von der katholischen Kirche betriebenen Internaten des Landes als "Völkermord" bezeichnet. Er habe um Vergebung für dieses Unrecht gebeten, "das ein Völkermord war", sagte Franziskus in der Nacht zum Samstag im Flugzeug zurück nach Rom. Vor Reportern sprach er von "entführten" Kindern und der zwangsweisen Veränderungen "einer ganzen Kultur" in Kanada.

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Ihm sei das Wort "Völkermord" in Kanada nicht in den Sinn gekommen, doch dabei handle es sich um einen klar definierten Begriff - und was er gerade beschrieben habe, "ist sehr wohl Völkermord", sagte Franziskus. Während seiner sechstägigen Reise hatte das Kirchenoberhaupt die indigene Bevölkerung des Landes wiederholt um Vergebung für das Leid gebeten, das ihr jahrzehntelang angetan worden war.

Zwischen Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts hatte die kanadische Regierung etwa 150.000 indigene Kinder in Internate geschickt, die zum großen Teil von der katholischen Kirche betrieben wurden. Sie wurden von ihren Familien, ihrer Sprache und ihrer Kultur abgeschnitten. Viele von ihnen wurden körperlich und sexuell misshandelt.

Offiziell kamen mehr als 4000 Kinder infolge von Unternernährung, Krankheiten und Vernachlässigung ums Leben, nach Schätzungen dürften es mehr als 6000 gewesen sein. Eine nationale Untersuchungskommission sprach von einem "kulturellen Völkermord". Die Entdeckung von 1300 anonymen Gräbern im vergangenen Jahr hatte eine Schockwelle ausgelöst.

Der Papst bezeichnete seine am vergangenen Sonntag begonnene Kanada-Reise als "Pilgerfahrt der Buße". Er bedauerte bei seinen Besuchen verschiedener indigener Gemeinschaften "kulturelle Zerstörung" und "physischen, verbalen, psychologischen und geistigen Missbrauch". Seine Bitten um Entschuldigung waren seit langer Zeit erwartet worden.

Viele Indigene begrüßten die Worte des Papstes, von "emotionaler Befreiung" war die Rede. Immer wieder meldeten sich jedoch auch Indigenen-Vetreter und beklagten, sie hätten mehr vom 85-jährigen Kirchenoberhaupt erwartet. Einige forderten etwa die Rückgabe von Kunstgegenständen der Ureinwohner, die seit Jahrzehnten im Vatikan aufbewahrt werden, oder Zugang zu den Archiven der Internatsschulen.

Für Kilikvak Kabloona, Vorsitzender der Organisation Nunavut Tunngavik, die die Inuit im nördlichen Territorium Nunavut vertritt, war "die Entschuldigung des Papstes nicht vollständig". Er habe den "sexuellen Missbrauch", den viele Ureinwohner erlitten haben, nicht direkt angesprochen.

Ch.Reilly--EWJ

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