English Woman's Journal - England: Haftstrafen für Adlige und Partner wegen fahrlässiger Tötung ihres Babys

England: Haftstrafen für Adlige und Partner wegen fahrlässiger Tötung ihres Babys


England: Haftstrafen für Adlige und Partner wegen fahrlässiger Tötung ihres Babys

Eine Frau aus einer britischen Adelsfamilie und ihr wegen Vergewaltigung vorbestrafter Partner sind am Montag wegen der fahrlässigen Tötung ihrer neugeborenen Tochter zu 14 beziehungsweise 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Richter Mark Lucraft sagte bei der Strafmaßverkündung in London, beide hätten ihr Baby Victoria "auf die gröbste und schwerwiegendste Weise vernachlässigt". Das Neugeborene war während einer mehrwöchigen Flucht des Paares vor den Behörden bei eisigen Temperaturen gestorben.

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Im Londoner Strafgericht Old Bailey nahmen die beiden Angeklagten, die 38 Jahre alte Constance Marten und der 51-jährige Mark Gordon, getrennt voneinander hinter einer Glaswand Platz. Weil sie wiederholt untereinander gestikulierten und Nachrichten austauschten, verwarnte der Richer sie wegen "völliger Respektlosigkeit" gegenüber dem Gericht.

Bei dem Gerichtsverfahren in London handelte es sich um eine Wiederaufnahme. In einem ersten Prozess hatten sich die Geschworenen beim Anklagepunkt Totschlag nicht einigen können, das Paar wurde lediglich wegen Verschweigens der Geburt eines Kindes und Grausamkeit gegen ein Kind verurteilt. Nun wurden beide wegen fahrlässiger Tötung für schuldig befunden. Gordon muss wegen "Gefährlichkeit" vier Jahre länger ins Gefängnis als seine Partnerin.

Die Behörden hatten vier Kinder des Paares in ihre Obhut genommen. Um ihre neugeborene Tochter Victoria nicht ebenfalls hergeben zu müssen, verheimlichten die Eltern deren Geburt. Marten brachte das Kind ohne jegliche medizinische Hilfe zur Welt. Während ihrer siebenwöchigen Flucht vor den Behörden im Januar und Februar 2023 lebten Marten und Gordon zunächst in Hotels, dann aber trotz frostiger Temperaturen in einem Zelt.

Schließlich nahm die Polizei das Paar in der südenglischen Küstenstadt Brighton fest. Den stark verwesten Leichnam der kleinen Victoria fanden die Ermittler mehrere Tage später in einer Einkaufstüte in einem Gemüsebeet. Marten sagte aus, das Baby sei im Schlaf gestorben, als sie es im Zelt unter ihrer Jacke gewärmt habe. Bei der Autopsie konnte die Todesursache nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Marten war als Aristokratin privilegiert und in Wohlstand aufgewachsen. Ihr Elternhaus war ein 25-Zimmer-Herrenhaus auf einem riesigen Anwesen in der Grafschaft Dorset im Südwesten Englands. Ihre Familie unterhielt enge Beziehungen zum britischen Königshaus, Martens Großmutter war in Kindertagen mit der späteren Königin Elizabeth II. befreundet, Martens Vater diente der Queen als Page.

Marten besuchte Privatschulen und studierte dann Arabisch und Philosophie. Nachdem sie eine Zeitlang bei dem arabischen Sender Al-Dschasira gearbeitet hatte, wandte sie sich der Schauspielerei zu.

Die Jugend von Martens ebenfalls in Großbritannien geborenem Partner Gordon war hingegen alles andere als privilegiert, sondern von Gewalt geprägt. 1989 hielt der mit einem Messer und einer Heckenschere bewaffnete 14-jährige Gordon im US-Bundesstaat Florida mehr als vier Stunden lang eine Frau gegen ihren Willen fest und vergewaltigte sie. Wenige Wochen später brach er in ein Anwesen ein und verübte dort unter anderem eine vorsätzliche Körperverletzung. In der Folge wurde er zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber nach 22 Jahren frei.

2017 wurde Gordon überdies wegen Angriffs auf zwei Polizeibeamtinnen auf einer Geburtsstation in Wales verurteilt, wo Marten unter falscher Identität ihr erstes Kind zur Welt brachte.

F.Stewart--EWJ

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