English Woman's Journal - Russische Journalistin Owsjannikowa in Abwesenheit zu langer Haft verurteilt

Russische Journalistin Owsjannikowa in Abwesenheit zu langer Haft verurteilt


Russische Journalistin Owsjannikowa in Abwesenheit zu langer Haft verurteilt
Russische Journalistin Owsjannikowa in Abwesenheit zu langer Haft verurteilt / Foto: Natalia KOLESNIKOVA - AFP/Archiv

Die durch eine Live-Protestaktion im Fernsehen weltweit bekannt gewordene russische Journalistin Marina Owsjannikowa ist in Abwesenheit zu ihrer bislang härtesten Strafe verurteilt worden. Wie die Staatsanwaltschaft in Moskau mitteilte, verhängte ein Gericht in der Hauptstadt am Mittwoch gegen Owsjannikowa eine achteinhalbjährige Haftstrafe wegen "Verbreitung von Falschinformationen" über die Armee. In dem Verfahren ging es um eine Protestaktion im Juli 2022, bei der Owsjannikowa allein in der Nähe des Kremls demonstriert hatte.

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Owsjannikowa hatte damals ein Schild hochgehalten, auf dem sie die militärische Intervention in der Ukraine und den russischen Präsidenten Wladimir Putin kritisierte. Im März 2022 war Owsjannikowa während der Sendung eines TV-Senders hinter der Nachrichtensprecherin aufgetaucht, hatte ein Protestplakat in die Kamera gehalten - und so weltweite Aufmerksamkeit erregt.

Das Urteil gegen Owsjannikowa umfasst der Staatsanwaltschaft zufolge auch eine vierjährige Sperre für die Nutzung von Online-Netzwerken.

Ihre Haftzeit muss Owsjannikowa laut Staatsanwaltschaft in einer Strafkolonie verbringen. Die heute 45-Jährige lebt jedoch seit Oktober 2022 nicht mehr in Russland: Damals floh sie aus dem Hausarrest mit ihrer Tochter ins Ausland. Die Journalistin hält sich nach Angaben in ihrem Nutzerkonto im Online-Dienst Instagram derzeit in Frankreich auf.

In einer am Dienstag vor der Urteilsverkündung veröffentlichten Erklärung bezeichnete sie die gegen sie erhobenen Vorwürfe als "absurd und politisch motiviert". Die Justiz habe "beschlossen, mich fertig zu machen, weil ich keine Angst habe und die Dinge beim Namen nenne", sagte sie.

"Natürlich gebe ich meine Schuld nicht zu. Und ich leugne auch keines meiner Worte. Ich habe eine sehr harte, aber die einzig richtige moralische Entscheidung in meinem Leben getroffen, und ich habe bereits einen hohen Preis dafür bezahlt", erklärte sie weiter.

Der Anwalt der Journalistin, Dmitri Sachwatow, erklärte, es sei "sinnlos", am Prozess gegen seine Mandantin teilzunehmen. Er werde in Berufung gegen das Urteil gehen, es gebe aber "keinerlei Aussicht auf Erfolg". "Soweit wir wissen, gibt es in Russland keine Freisprüche, vor allem wenn es um Politik geht", sagte Sachwatow.

Die Unterdrückung in Russland gegen regierungskritische Stimmen läuft weiter auf Hochtouren. Zahlreiche Oppositionsvertreter und einfache Bürger wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Zehntausende Russen, darunter Oppositionelle, Journalisten und Bürgerrechtler, sind ins Exil geflohen.

B.Mclean--EWJ

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