English Woman's Journal - Kardinal Hengsbach: Gründer von Ruhrbistum soll Missbrauchstaten begangen haben

Kardinal Hengsbach: Gründer von Ruhrbistum soll Missbrauchstaten begangen haben


Kardinal Hengsbach: Gründer von Ruhrbistum soll Missbrauchstaten begangen haben
Kardinal Hengsbach: Gründer von Ruhrbistum soll Missbrauchstaten begangen haben / Foto: JEFF PACHOUD - AFP/Archiv

Gegen den Gründerbischof des Ruhrbistums Essen, Kardinal Franz Hengsbach, gibt es Missbrauchsvorwürfe. Wie der amtierende Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Dienstag öffentlich machte, wurden "gravierende Missbrauchsvorwürfe" gegen den 1991 verstorbenen Hengsbach bekannt. Unter anderem soll er zusammen mit seinem Bruder Paul - dieser war auch Priester - in den 50er Jahren eine Minderjährige sexuell missbraucht haben.

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Die Vorwürfe gegen Kardinal Hengsbach richten sich gegen einen der einflussreichsten Theologen der jungen Bundesrepublik. Hengsbach wurde 1958 der erste Bischof des damals neu errichteten Ruhrbistums Essen und stellte sich insbesondere in Zeiten des Strukturwandels an die Seite der Bergleute, was ihm viel Popularität einbrachte. Wegen seiner Bedeutung für die deutsche Kirche und die Weltkirche erhob ihn Papst Johannes Paul II. 1988 zum Kardinal. In Essen, Gladbeck und Bottrop sind Straßen und Plätze nach ihm benannt.

Der Essener Bischof Overbeck rief Betroffene von Missbrauch durch Hengsbach auf, sich im Bistum zu melden. Die nun öffentlich gemachten Vorwürfe betreffen den Angaben zufolge die 50er bis 70er Jahre. Zwei Vorwürfe betreffen demnach Hengsbachs Zeit als Bischof von Essen, ein Vorwurf betrifft seine davor liegende Zeit in Paderborn.

Wie Overbeck erst jetzt öffentlich machte, gab es bereits im Jahr 2011 gegen Hengsbach einen Vorwurf. Dieser sei aber 2014 zurückgezogen worden. Im vergangenen Herbst sei dann ein zweiter Vorwurf dazu gekommen, weshalb es nun die Veröffentlichung gebe.

Eine nicht näher nach dem Geschlecht spezifizierte Person habe zu Protokoll gegeben, 1967 einen sexuellen Übergriff durch Hengsbach erlitten zu haben. Wegen dieser Anzeige fragte Overbeck dem Essener Bistum zufolge im Erzbstium Paderborn nach, ob im Aktenbestand weitere Meldungen zu Hengsbach vorlägen. Dies sei bestätigt worden - auch diese Vorwürfe waren aber bisher nicht öffentlich.

Der Vorwurf des Missbrauchs im Jahr 1954 war den Angaben zufolge 2011 erhoben und noch im selben Jahr an den Vatikan weitergeleitet worden. "Aufgrund der Zuständigkeit der Kongregation für die Glaubenslehre sah ich den Vorgang als bearbeitet an", erklärte Overbeck nun. Die Glaubenskongregation bewertete die Vorwürfe demnach damals als nicht plausibel.

"In Anbetracht des neuen Vorwurfs, der mir erst jüngst bekannt geworden ist, habe ich mich nach Rücksprache mit dem Interventionsstab und unter Berücksichtigung aller Kenntnisse dazu entschieden, die Vorwürfe gegen Franz Hengsbach öffentlich zu machen", erklärte Overbeck nun. Dabei sei ihm bewusst, "was diese Entscheidung, die ich nach gründlicher Abwägung der gegenwärtig zur Verfügung stehenden Erkenntnisse getroffen habe, bei vielen Menschen auslösen wird."

Dem Bistum Paderborn zufolge liegen gegen Paul Hengsbach, den Bruder des Kardinals, zwei Vorwürfe vor. Der 2018 verstorbene Paderborner Priester sei 2011 mit dem Vorwurf konfrontiert worden, zusammen mit seinem Bruder eine 16-Jährige missbraucht zu haben. Er habe dies vehement bestritten. Obwohl angemerkt wurde, dass die Frau sich genau erinnere, seien ihre Vorwürfe als nicht plausibel bewertet worden.

Das Bistum erklärte, diese Beurteilung müsse heute "leider deutlich in Frage gestellt werden". So habe 2010 zudem eine andere Frau Paul Hengsbach sexuellen Missbrauch vorgeworfen, was er ebenfalls bestritten habe. Der Fall sei nicht weiter verfolgt und auch nicht nach Rom gemeldet worden. Inzwischen habe die Frau aber einen Antrag auf Anerkennung ihres Leids gestellt, über den positiv entschieden worden sei.

D.Findlay--EWJ

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