English Woman's Journal - Drei weitere Ermittlungsverfahren nach Zugunglück in Griechenland eingeleitet

Drei weitere Ermittlungsverfahren nach Zugunglück in Griechenland eingeleitet


Drei weitere Ermittlungsverfahren nach Zugunglück in Griechenland eingeleitet
Drei weitere Ermittlungsverfahren nach Zugunglück in Griechenland eingeleitet / Foto: Sakis MITROLIDIS - AFP

Nach dem schweren Zugunglück in Griechenland mit 57 Toten sind gegen drei weitere Bahn-Mitarbeiter strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden. Gegen die Beschuldigten, unter ihnen zwei Bahnhofsvorsteher, werde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag von einer Quelle in der Justiz. Angesichts der öffentlichen Empörung über das Unglück sagte Regierungschef Kyriakos Mitsotakis bei der ersten Kabinettssitzung nach dem Unfall "absolute Transparenz" bei dessen Untersuchung zu.

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Außer fahrlässiger Tötung wird den drei neuen Beschuldigten "Störung der Verkehrssicherheit" zur Last gelegt. Von der Quelle in der Justiz hieß es weiter, zwei der Beschuldigten hätten ihren Posten am Abend des Unfalls vorzeitig verlassen.

Bei dem dritten Beschuldigten handelt es sich demnach um einen Mitarbeiter, der für die Dienstpläne verantwortlich war und einen unerfahrenen Bahnhofsvorsteher an einem betriebsamen Feiertagswochenende für die Nachtschicht eingeteilt hatte. Bei einer Verurteilung droht allen drei Beschuldigten lebenslange Haft.

Auf der Bahnstrecke zwischen Athen und Thessaloniki waren am 28. Februar kurz vor Mitternacht ein Personenzug und ein auf demselben Gleis entgegenkommender Güterzug frontal zusammengestoßen. 57 Menschen starben, einige weitere Menschen wurden verletzt. Es war das schwerste Zugunglück in der Geschichte des Landes.

Ein Bahnhofsvorsteher, der eingeräumt hatte, die Umleitung der Züge versäumt zu haben, wurde festgenommen und bereits angeklagt. Medienberichten zufolge hatte der 59-Jährige den Posten erst 40 Tage inne, nachdem er zuvor ein dreimonatiges Training absolviert hatte. Bis zu dem Unglück arbeitete er offenbar vier Tage lang alleine auf dem Bahnhof, obwohl es sich um ein verlängertes Feiertagswochenende mit starkem Zugverkehr handelte.

Wegen des Unglücks steht aber auch die Regierung in Athen massiv unter Beschuss. Viele Griechen werfen ihr vor, die Verantwortung auf den Bahnhofsvorsteher zu schieben. Für sie ist das Unglück die Konsequenz jahrelanger Sparpolitik sowie der Misswirtschaft bei der Bahn. Die Bahngewerkschaften erinnerten daran, dass sie schon lange vor technischen Mängeln gewarnt hatten.

Das Unglück löste in Griechenland heftige und teils gewaltsame Proteste aus. Am Mittwoch fanden flankiert von Streiks die bislang größten Demonstrationen mit landesweit zehntausenden Teilnehmern statt.

Ministerpräsident Mitsotakis räumte am Donnerstag eine Mitverantwortung der Regierung ein: "Wir sind alle verantwortlich dafür, wir müssen den Mut haben, das zuzugeben", sagte er. Bei der Untersuchung des Unfalls von Ende Februar gehe es nun darum, "Fehler aufzudecken".

Der Regierungschef versprach "sofortige Maßnahmen, um die problematische Situation im Bahnverkehr zu verbessern". Er werde "Himmel und Erde" in Bewegung setzen, um die Sicherheitssysteme im Bahnverkehr zu verbessern.

Kurz nach dem Zugunglück hatte Mitsotakis die Angehörigen der Opfer um Entschuldigung gebeten. Später forderte der konservative Regierungschef den Obersten Gerichtshof auf, der juristischen Aufarbeitung des Unglücks "oberste Priorität" einzuräumen. Dennoch werden zunehmend Rücktrittsforderungen gegen Mitsotakis laut. Verkehrsminister Kostas Karamanlis hatte sein Amt bereits wenige Stunden nach dem Unglück zur Verfügung gestellt.

In Griechenland stehen demnächst Parlamentswahlen an. In den Medien wird nun spekuliert, dass der eigentlich für April geplante Urnengang um einen Monat verschoben werden könnte. Mitsotakis und andere Politiker haben wegen des Zugunglücks ihren Wahlkampf ausgesetzt.

R.Mcintosh--EWJ

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