English Woman's Journal - Brasiliens Sicherheitskräfte räumen Protestcamps und nehmen 1500 Bolsonaro-Anhänger fest

Brasiliens Sicherheitskräfte räumen Protestcamps und nehmen 1500 Bolsonaro-Anhänger fest


Brasiliens Sicherheitskräfte räumen Protestcamps und nehmen 1500 Bolsonaro-Anhänger fest
Brasiliens Sicherheitskräfte räumen Protestcamps und nehmen 1500 Bolsonaro-Anhänger fest / Foto: Mauro PIMENTEL - AFP

Nach dem Sturm auf den brasilianischen Kongress und andere Institutionen haben Sicherheitskräfte am Montag (Ortszeit) Protestcamps der Anhänger des rechtsradikalen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro geräumt und 1500 Menschen festgenommen. Hunderte Soldaten und Polizisten waren im Einsatz, um ein provisorisches Lager vor dem Hauptquartier der Armee in der Hauptstadt Brasília aufzulösen. Dort hatten rund 3000 Bolsonaro-Unterstützer Zelte aufgebaut, die als Basislager für die Randalierer dienten, die am Sonntag rund vier Stunden im Kongress, im Präsidentenpalast und im Obersten Gericht gewütet hatten.

Textgröße ändern:

Auch in Rio de Janeiro und São Paulo räumten Soldaten und Polizisten Lager von Bolsonaro-Anhängern. Zuvor hatte der Oberste Richter Alexandre de Moraes die Sicherheitskräfte angewiesen, landesweit Lager aufzulösen, die Anhänger des Ex-Präsidenten vor Armeestützpunkten errichtet hatten.

Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nahm unterdessen seine Arbeit in dem verwüsteten Präsidentenpalast wieder auf. AFP-Reporter sahen dort die Verheerungen durch Anhänger von Lulas Amtsvorgänger: Zerstörte Kunstwerke und Büros, zertrümmerte Fenster und Türen, Glassplitter auf dem Boden und in ein Wasserbecken geworfene Möbel.

Der 77-jährige Lula war zuvor mit den Spitzen von Kongress und Oberstem Gericht zusammengetroffen. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten "die drei Gewalten der Republik, die Verteidiger der Demokratie und der Verfassung (...) die terroristischen Akte, den kriminellen und putschartigen Vandalismus".

US-Präsident Joe Biden sicherte Lula in einem Telefonat die "unerbittliche Unterstützung der USA für die brasilianische Demokratie" zu und lud Lula für Anfang Februar nach Washington ein, wie aus einer gemeinsamen Mitteilung hervorging.

In der brasilianischen Metropole São Paulo gingen am Montagabend tausende Menschen "zur Verteidigung der Demokratie" auf die Straße und forderten die "Verhaftung der Putschisten". Unter den Demonstrierenden waren junge Menschen, Familien, Gewerkschafter, Aktivisten und andere. "Wir stehen zu Lula und für Demokratie", stand auf Bannern geschrieben.

"So etwas wie gestern habe ich noch nie erlebt, dass mein Volk, mein Land, auf diese Weise geteilt ist", sagte der 61-jährige Lehrer Edi Valladares der Nachrichtenagentur AFP. "Das ist inakzeptabel, traurig, hier zu sein, bedeutet die Demokratie zu verteidigen", fügte er hinzu.

Hunderte Bolsonaro-Anhänger waren am Sonntag in der Hauptstadt Brasília in das Kongressgebäude, den Präsidentenpalast und den Sitz des Obersten Gerichts eingedrungen und hatten dort stundenlang schwere Verwüstungen angerichtet. Dabei entlud sich ihr Zorn über den Wahlsieg des Linkspolitikers Lula, der sich in einer Stichwahl knapp gegen Bolsonaro durchgesetzt hatte und seit Jahresbeginn im Amt ist.

Bolsonaro distanzierte sich von dem Angriff. "Öffentliche Gebäude zu plündern und in sie einzudringen", verstoße gegen die "Regel" für "friedliche Demonstrationen", schrieb er im Onlinedienst Twitter. Gleichzeitig wies er jede Verantwortung zurück.

Bolsonaro bestätigte unterdessen in den Onlinediensten Twitter und Instagram seinen Aufenthalt in einem Krankenhaus in Orlando im US-Bundesstaat Florida. Er veröffentlichte ein Foto von sich im Krankenhausbett und dankte seinen Anhängern für ihre "Gebete und ihre Wünsche für eine schnelle Genesung".

Bolsonaros Frau hatte zuvor erklärt, ihr Mann sei "zur Beobachtung im Krankenhaus, aufgrund von Unterleibsbeschwerden, die von dem Messerangriff im Jahr 2018" während des damaligen Präsidentschaftswahlkampfes herrührten.

N.M.Shaw--EWJ

Empfohlen

Erste Herbststürme sorgen für Schäden: Tausende Haushalte in Freiburg ohne Strom

Die ersten Herbststürme sind am Wochenende über Deutschland gezogen und haben für Schäden gesorgt. In Freiburg und Umgebung fiel am Sonntag aufgrund von Unwetterschäden in rund zehntausend Haushalten stundenlang der Strom aus, wie der Versorger Badenova mitteilte. Insbesondere im Westen des Landes meldeten die Feuerwehren Einsätze unter anderem wegen umgestürzter Bäume. Laut Wetterdienst drohten bis Sonntagabend lokale Sturmböen, an der Nordsee und in Höhenlagen Orkan.

60-Jähriger bei antisemitischem Angriff in Berlin verletzt

Ein Unbekannter soll einen Mann in Berlin-Schöneberg nach der Frage nach dessen jüdischer Identität beleidigt und niedergeschlagen haben. Der Staatsschutz ermittelt.

Rund zehntausend Haushalte betroffen: Großer Stromausfall durch Sturm in Freiburg

Ein sturmbedingter Stromausfall hat am Sonntag rund zehntausend Haushalte in Freiburg und Umgebung zeitweise von der Stromversorgung abgeschnitten. Grund waren in Leitungen gestürzte Bäume und ein in ein Umspannwerk gewehtes Wellblechdach, wie der Versorger Badenova in der baden-württembergischen Stadt mitteilte. Mehrere Freiburger Stadtteile und umliegende Gemeinden waren betroffen. Erst rund sieben Stunden nach den ersten Störungen war die Stromversorgung überall wieder hergestellt.

Mutmaßliche antisemitische Attacke: 60-Jähriger in Berlin verletzt

Ein 60-Jähriger ist bei einer mutmaßlich antisemitisch motivierten Attacke auf einer Straße in Berlin verletzt worden. Ein Unbekannter schlug ihn am Samstagabend nach einem Streitgespräch zu Boden, wie die Polizei in der Bundeshauptstadt am Sonntag mitteilte. Das Opfer trug demnach eine Platzwunde und Blutergüsse davon. Zudem wurde seine Brille beschädigt.

Textgröße ändern: